Vorurteile

Samstag war ich auf einer Party in Teltow eingeladen. Teltow liegt bekanntlich südlich von Berlin und angeblich kommen dort die Teltower Rübchen her. Sonst gibt es zu Teltow nicht bemerkenswert viel zu sagen.

Ich habe dort mal zwei Jahre lang gearbeitet und musste immer von Zehlendorf aus noch 20 Minuten mit der Buslinie 623 hinfahren. Seitdem habe ich Vorurteile gegenüber Busfahrern. Die hatten nämlich einige nette Angewohnheiten. Zum Beispiel immer auf die S-Bahn zu warten (Den Bahnhof hat man von der Haltestelle aus toll im Blick.) und wenn die Fahrgäste dann an der Ampel standen, sprintbereit für den Bus, dann fuhr der 623er los. Vor allem bei schlechtem Wetter. Und wenn es besonders kalt war. Natürlich fuhr der nächste Bus dann immer erst 20 Minuten später. Ich weiß, es gibt Gegenden in Deutschland, da fahren Busse noch seltener, oder aber gar nicht! Aber ich warte ungern. Egal wann und wo.

Auch schön war das morgendliche Anmuffeln. Einsteigen – „Guten Morgen!“-Sagen – angemuffelt werden. Irgendwie fehlt es mir. Oder das An-der-Tarifgrenze-Halten“, damit auch der letzte ohne Anschlussfahrschein aussteigen oder nachlösen kann. Das war immer dann besonders lustig, wenn der- oder diejenige dazu keine Lust hatte. Dann dauerte das auch gerne mal 10 Minuten. Der Busfahrer hat übrigens immer gewonnnen. Soviel zur Vorgeschichte.

Nun wieder zu Samstag. Da mussten wir zwar nicht mit dem 623er fahren, aber Bus ist Bus, Busfahrer ist Busfahrer und Teltow, na ja, das ist Teltow. Ich steige ein und sage gewohnheitsmäßig „Guten Abend!“, machte mich aufs Angemuffeltwerden gefasst und fragte mutig nach einem Anschlussfahrschein, weil doch die Station genau hinter der Stadtgrenze im Tarifbereich C liegt. Und dann passierte es! Der Busfahrer antwortete nicht nur, nein! Er war freundlich, gut gelaunt und weil Samstag war, brauchte ich nicht mal diesen Fahrschein zu lösen! Ich war platt! Sämtliche liebgewonne Vorurteile, sorgsam gepflegt – einfach dahin. Nach dem ersten Schock habe ich mich dann aber sehr gefreut, und mir vorgenommen, weiterhin Busfahrer freundlich zu grüßen, es scheint ja langsam Wirkung zu zeigen.

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