Schlafen

Sechs Stunden habe ich heute Nacht geschlafen. Juhu! Trotzdem bin ich jetzt seit halb sechs wach und sitze am Computer. Im Gegensatz zum Krankenhaus kann ich hier aber wenigstens lesen, rumlaufen und muss nicht leise im Bett liegen um die anderen beiden Patientinnen nicht zu stören. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr man anfängt, diese kleinen Dinge zu vermissen, wenn man sie mal nicht mehr hat. Zum Beispiel Privatsphäre. Einige der Pflegekräfte klopfen ja an, bevor sie ins Zimmer stürmen, aber das „Herein“ hat kein einziger abgewartet. Oder die Raucher, die immer an den Badezimmertüren gerüttelt haben, weil der Weg durchs Bad eine Abkürzung zum Raucherbalkon ist. Meiner Bettnachbarin haben zwei Frauen doch tatsächlich gesagt, sie solle sich nicht so haben und die Türen nicht abschließen, während sie duscht, damit die beiden Damen nach dem Zigarettchen nicht den Umweg durch die Patientenküche machen müssen, was doch immerhin einen 30 Meter längeren Fußweg bedeutet! Die hatten echt Glück, dass meine Bettnachbarin noch nicht wieder richtig fit war, sonst hätten sie sich bestimmt ein blaues Auge geholt. Die Raucher haben mich sowieso sehr fasziniert. Da waren einige, die es kaum aus dem Zimmer zum Klo geschafft haben, aber die 50 Meter zum Raucherbalkon gingen immer. Bei mir im Zimmer lag mal eine, die bekam fast keine Luft, aber sie ist jede Stunde tapfer zum Balkon geschlurft um eine zu qualmen. Ich frage mich, ob diese Sucht dann nicht doch was Gutes hat, ohne die Lust auf die Zigarette wäre die sicher nicht mehr aus dem Bett gekrochen. Aber gestunken hat sie trotzdem ganz furchtbar. Zwar nichts gegen die Lady mit der Inkontinenz, aber trotzdem. Grusel.

Tja, sieht so aus, als wäre ich mal wieder wach. Dann kann ich jetzt ja mal Kaffee kochen und mal sehen, was die Zeitung so schreibt. Und dann noch ein wenig Kraftübungen zum Muskelaufbau. Dank sechs Wochen Krankheit sind nun nämlich zwei Jahre Training völlig hinüber. Mein Vorsatz, dieses Jahr beim 10-Kilometer-Lauf mitzumachen ist gestrichen. Das mach ich dann nächstes Jahr…

Kommentare


KochSchlampe / Website (14.2.08 16:29):
Armes Hase.
Mangelnde Privatsphäre treibt mich ziemlich schnell die Wände hoch – ich werde dann sehr unleidlich. Was einer der Gründe war, warum ich auf Jugendreisen, damals, vor vielen Jahren, gern zum Außenseiter wurde. Dieses ständige Aufeinander-Hängen ging für mich ja gar nicht. Krankenhaus stelle ich mir noch schlimmer vor – keine Chance, auch nur in Ruhe mein Buch zu lesen. Gräßlich.

dontblog / Website (15.2.08 21:05):
Lesen ist nach sechs Tagen Schlaflosigkeit ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Hörbücher dagegen sind ein Genuss. Frankenstein gelesen von Katharina Thalbach nachts im Krankenhaus ist so genial gruselig, das muss man probiert haben.
Auf einer Schulreise habe ich in der Aula der Jugendherberge geschlafen weil die anderen drei im Zimmer erstens schnarchten, eine ständig die Rotze hochzog, sich die Haare eine Woche nicht wusch und auch so roch und die andere mich immer voll textete. In der Aula war zwar immer Betrieb aber Privatsphäre war mehr als im Zimmer…
Privatsphäre ist wohl sehr dehnbar und hat nichts mit Meter und Zentimeter zu tun. Komisch, oder?
Ich habe heute zwei Stunden mein Badezimmer blockiert (Kortison- und Krankenhausfolgen beseitigen braucht Zeit, und ein wenig eitel bin ich schon auch…) und niemand hat an der Tür gerüttelt um zum Raucherbalkon zu kommen. Ich hab es so vermisst😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s