Was andere so bloggen

Ich habe mir gestern mal angesehen, was andere Leute bei myblog.de so schreiben. Sehr sehr viele Einträge sind von Schülerinnen, meist kurz vor dem Abitur (Daher könnte man von einer gewissen Intelligenz ausgehen.) die aus mir unerfindlichen Gründen mehr oder weniger genau drei Themen haben.

Erstens Liebeskummer, was in diesem Alter wohl immer tragisch ist, zweitens Einsamkeit, was eventuell mit ersterem zusammenhängt und drittens Abnehmen. Und das mit dem Abnehmen wird so richtig zelebriert. Mit Essenstagebuch (Hilfe, habe eine Scheibe Knäcke mit Lätta verschlungen weil es sooooo lecker war.), Kalorienangaben, wieviel von dem bösen Essen wieder rauskam, was man so wiegt, wie groß der Brust-, Bauch-, Knöchelumfang ist und so weiter. Da werden Tipps gegeben, wie man den Hunger überlistet (Watte essen wird manchmal ernsthaft vorgeschlagen!), wie man Eltern am besten austrickst um nichts essen zu müssen; sprich echt mieses Zeug wird da verbreitet.

Das Ganze wird meist in rosa Schrift auf Schwarz oder umgekehrt verbreitet und alle entschuldigen sich, dass sie die anderen mal drei Tage nicht mit diesem Mist belästigt haben. Sind die wirklich krank? Oder wollen die nur magersüchtig scheinen um irgendeinem kranken Bild zu entsprechen? Glaubt man nämlich den ganzen Angaben, die die Mädels da machen, dann sind die meisten von ihnen eher in die Kategorie pummelig bis normalgewichtig einzustufen. Ich glaube nicht, dass sie magersüchtig sind, essgestört und irgendwie unglücklich ja, aber seien wir mal ehrlich: Die ganzen Tipps befolgen die meisten dieser Mädels doch glücklicherweise eh nicht. Ihnen fehlt einfach die nötige Selbstdisziplin. Und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Magersucht ist eine ernsthafte Erkrankung, das weiß ich selber, aber diese Mädels sind es sicher nicht, und wenn sie sich noch so oft und überzeugt als Anas outen möchten. Die sind gelangweilt oder schlicht und einfach doof. Keine Ahnung. Vielleicht beides.

Ach, mir mangelt es mal wieder an Sensibilität. Ich bin so fies und gemein und fest davon überzeugt, dass man nur unglücklich ist, wenn man das auch will. Zumindest wenn nicht irgendwas Schlimmes ein Grund für Unglücklichsein ist, wie zum Beispiel der Tod eines geliebten Menschen. Aber sonst ist das doch eine Sache der Einstellung, oder? Ist wie mit dem Rauchen aufhören. Wenn man das will, dann kann man das auch. Warum zum Geier machen sich Leute ständig Probleme wo keine sind und sein müssten? Haben die sonst nichts zu tun? Kriegen sie nur so Aufmerksamkeit? Haben die nicht Angst, dass andere keinen Bock auf ihr Gejammere haben?

Ich fürchte, es war eine total bescheuerte Idee, die anderen Blogs zu lesen. Jetzt habe ich mir schon wieder einen Kopf über Dinge gemacht, die ich nicht ändern kann. Wo es doch heißt:

Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.

Ich glaube ich fange an Sprichwörter und so ein Zeug inflatorisch zu verwenden. Hatte ich nicht gestern schon so was? Werde ich nun alt oder ist das nur eine Phase?

Kommentare

KochSchlampe / Website (16.2.08 08:30):
Nu – selbst die, ich nenne sie jetzt mal die ECHTEN Magersüchtigen, machen sich über die wanna bes lustig. Man vergleiche den Text hier:
http://www.gestoerte-welt.de/pure/motivation/satire/ana_werden.htm
Wir beide sind glücklicherweise in einem Alter, indem dieses bunten Seiten mit dem Wunsch nach einer Essstörung nur noch albern erscheinen. Wobei ich sagen muss, dass ich Essstörungen noch nicht einmal dann nachvollziehen konnte, als ich noch zur Schule ging und spätestens ab Klasse 9 jeder Jahrgang mindestens 3 deutlich erkennbare Magersüchtige hatte. Ganz zu schweigen von den unsichtbareren Bulimikern und EDNOs. Ich fürchte, man merkt gerade, dass ich auf einer Schule mit sehr hohem Mädchenanteil war…
Oh – auch da gab es dann Eifersüchteleien: warum bekam die eine Magersüchtige mehr Aufmerksamkeit und Mitleid als eine andere? War sie etwa nicht dünn, nicht leidend genug? Warum bekamen die Magersüchtigen all die Aufmerksamkeit, warum nicht die Bulimikerinnen? Die eine Bulimikerin hat sich darüber in real aufgeregt…

dontblog / Website (16.2.08 08:45):
Ja, dass die „Echten“ sich über diese Möchtegern-Anas aufregen habe ich auch schon gesehen.

Oh Mensch, bin ich wieder unsensibel. Aber diese Leute, die so viel Zeit haben, sich mit ihren Psychomacken zu beschäftigen, gehen mir schwer auf den Zeiger. Erstens bringen sie mich dazu, mich mies, weil unsensibel, zu fühlen (okay nicht wirklich) und zweitens geht mir Gejammer generell auf den Wecker.

KochSchlampe / Website (16.2.08 09:27):
Ich bin inzwischen alt und weise (?) geworden und habe gelernt zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die aus ihrer Psychomacke nicht mehr alleine herauskommen.
Auch wenn ich gerade bei Essstörungen dazu neige anzunehmen: Du hast Dich da alleine reingebracht, bring Dich doch auch alleine wieder raus. Ist doch nur eine Frage der Selbstdisziplin. Was wahrscheinlich unfair ist, da ich nie selber bei einer Essstörung mitgespielt habe.
Am Rande dazu: warum bekommen ehemalige Süchtige, die trocken sind/ihre Sucht überwunden haben eigentlich die ganze Bewunderung? Warum nicht diejenigen, die sich erst gar nicht in den Suchtzyklus begeben haben? Ist es nicht besser, wenn man überhaupt nicht mit dem Saufen/Rauchen/Hungern/Fressen anfängt?
Abschließend kann ich nur an die klassische Berliner Putzfrau erinnern: „Depression? Ha’ick keene ßeit füa.“

dontblog / Website (16.2.08 09:43):
Warum so Leute bewundert werden, weiß ich auch nicht. Irgendwo müssen da ein paar Hirnzellen falsch verdrahtet sein. Ich muss mich immer schwer beherrschen, wenn mir dicke Leute vorjammern, dass sie doch so viel weniger als ich gegessen hätten, und sie seien dick und ich nicht. Und wenn man dann mal sanft nachfragt, was sie so getrunken und gegessen haben und wieviel sie sich bewegt haben, dann muss ich schon schwer den Selbstbeherrschungsknüppel schwingen um nicht loszuprusten. Die Leute sind so toll, sich selbst zu verarschen!
Raucher sind auch so, die können nicht ohne? Hä? Wie bitte? Was wiegt so eine Zigarette denn bitte schön? So ein paar Gramm schweres Ding soll einen Menschen beherrschen können? Lächerlich!
Da ha‘ ick och keene ßeit füa.

KochSchlampe / Website (17.2.08 19:04):
Ach, bei der Kalorienbilanz vertun sich ja so einige gern. Ich denke da nur an Mitbewohnerette #1, die ganz entsetzt war, als sie den Kaloriengehalt von Gummibärchen erfahren hat. In ihrem Paralleluniversum sind Gummibärchen bis dahin fett- und somit nahezu kalorienfrei gewesen. Den Zuckeranteil scheint sie nicht realisiert zu haben. Klar könnten Raucher ohne ihr Nikotin. Jeder einzelne. Auch hier halte ich es eher für eine Frage des Wollens, denn des Könnens.

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