Wie bastle ich einen mir genehmen Volksentscheid?

Ganz einfach. Wenn man B.Z. heißt, dann schreibt man einfach jeden Tag irgendetwas Böses, möglichst auch Beleidigendes, über den Berliner Senat und alle anderen, die gegen die Springerkonzernmeinung Meinung der angeblichen Berliner Bürgermehrheit sind, und bietet jedem „Investor“, der mit einer ach so tollen Idee den Flugbetrieb aufrecht erhalten möchte, ein Forum auf der Titelseite. Welche Argumente für die Schließung des Flughafens sprechen, das darf natürlich auf keinen Fall in der Zeitung erscheinen. Stattdessen werden Mutmaßungen über „geheime“ Gründe angestellt. Damit kann man noch die letzte Pappnase überzeugen. Gehen einem dann die Investoren aus, lässt man die Leser zu Wort kommen und präsentiert sodann genau 44 Stimmen gegen die Tempelhofschließung und natürlich keine einzige dafür. Das nennt man dann ausgewogene Berichterstattung.

Was für die Schließung spricht?

  • Sehr viel weniger Lärm und Dreck für die Anwohner und alle anderen in der Stadt.
  • Es gibt Gerichtsbeschlüsse für die Schließung. Und an Gerichtsbeschlüsse sollten sich Volksvertreter schon halten.
  • Naherholungsgebiete und Grünflächen sind toll für Familien mit Kindern und wenig Geld, für Senioren, für Sportler, für Frischluftfanatiker, für die armen Raucher, die bald in keiner Kneipe mehr rauchen dürfen…
  • Für Boulevardzeitungsleser (Die sich ja nicht mal eine richtige Tageszeitung leisten können) ist der von den Investoren geplante private, aber mit Steuergeldern subventionierte Flughafen mit angeschlossener Schönheitsklinik sicher nicht gedacht.
  • Die Arbeitsplätze, die durch die Investoren angeblich geschaffen werden sind sicher für gering Qualifizierte, erfordern staatliche Subventionen und werden nach fünf Jahren wieder abgebaut.
  • Fast alle anderen Hauptstädter dieser Welt leben gut mit einem Flughafen am Rande ihrer Stadt.
  • Wozu braucht die Bahn einen Flughafen? Sollte die sich nicht um ihre Fahrpläne kümmern?
  • Kann Berlin sich tatsächlich 16.000 Euro Verlust leisten, denn die staatliche Flughafengesellschaft jeden Tag einfliegt?
  • Die Landebahn ist zu kurz um von dort aus in den Mittelmeerurlaub zu starten. Und bis nach Saudi-Arabien, aus der die ganzen Reichen und Möchtegern-Schönen einfliegen sollen, bis dahin reicht das erst recht nicht. Dafür schafft man es prima nach Bonn und Brüssel. Davon profitieren wohl doch eher die, gegen die die B.Z. auch gerne Kampagnen schreibt – Politiker und Beamte.
  • Luftbrückengedenkveranstaltungen können ohne Fluglärm und Abgase viel entspannter abgehalten werden, die Gebäude zum Anhimmeln bleiben nämlich erhalten.
  • Gut, wenn ein Kleinflugzeug gegen ein Wohnhaus knallt, dann hat die Boulevardpresse endlich was zu schreiben wozu es sicher auch ein tolles Bild gibt (Wie im mai 2001.), aber die Mieter sind sicher froh, keine Cessna in der Küche zu finden.
  • Was man mit dem ganzen Platz machen könnte: Dazu haben die Grünen ein paar Ideen:

Standort für Bundesministerien, Kongresszentrum, Luftfahrtmuseum, EventCenter, Grünfläche, Autofreies Wohnen, Internationale Ökologische Bauausstellung, neue Sportflächen, Energiepark, Youth-Campingplatz Tempelhof International, GründerInnenCenter, seniorengerechtes Wohnen im Grünen, Skaterboulevard, asiatisches Wirtschaftszentrum, interkulturelle Gärten, Festplatz und Tivoli, Bundesgartenschau, Fahrrad- und Laufrundweg, Cafe im Flughafengebäude von 1923 (noch auf dem Gelände vorhanden!), Bewegungspark….“ Mal abgesehen von der Formulierung „Youth-Campingplatz“, da ist doch wirklich für jeden was dabei. Außer für diejenigen, die sich auf unsere Kosten bereichern wollen.

Und wer mein Geschreibsel doof findet, für den hier noch mal 10 Gründe für die Schließung, wie sie die Grünen formulieren:

  1. Die meisten Flugunfälle passieren bei Start oder Landung. 2001 stürzte ein Privatflieger in ein Wohnhaus in Neukölln. Flughäfen gehören nicht in die Stadt.
  2. Lärm und Abgase belasten uns alle. Warum richtet Berlin Umweltzonen ein, um danach mittendrin Flugzeuge landen uns starten zu lassen?
  3. 500 Fussballfelder hätten auf dem Flughafengelände Platz – mitten im Herzen Berlins. Fussball spielen kann dort freilich noch niemand. Der Flugbetrieb blockiert auch alle weiteren Möglichkeiten.
  4. Die Erinnerung an die Berliner Luftbrücke geht uns alle an – nicht nur die Flughafenfans. Das Andenken aber braucht keine Starts und Landungen.
  5. Der Flughafenbetrieb in Tempelhof ist teuer. Er kostet jährlich 13 Mio. EUR. Sparen wir uns das!
  6. Tempelhof reicht nur für Kurzstreckenflüge. Gerade die schaden unserer Umwelt übermäßig. Das ist wie mit dem Reisebus Brötchen holen fahren. Schluss damit!
  7. Berlin bekommt einen City-Flughafen: Berlin-Brandenburg International ist nicht weiter von der Innenstadt entfernt als Stadtflughäfen in London oder Paris.
  8. Bleibt Tempelhof Verkehrsflughafen, darf BBI nicht weiter ausgebaut werden. Dann wären 825 Millionen EUR Investitionen und 40.000 Arbeitsplätze in den Wind geschossen. Und Tegel lärmt auch weiter.
  9. Übrigens: Die CDU hat 1994, 1996, 1998 und 1999 beschlossen, Tempelhof als Flughafen zu schließen. Sie hatte gute Gründe.
  10. Volksentscheide sind super. Wer am 27. April mit abstimmt, macht unsere Demokratie lebendig. Wer am 27. April mit „Nein“ stimmt, macht ein riesiges Innenstadt-Areal lebendig.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s