Maskerade

Heute muss ich mich fotographieren lassen. Alle Mitarbeiter sollen ein seriöses Bild haben, das dann auch ins Intranet gestellt wird und zu den Lebensläufen kommt (Verzeihung, natürlich muss es CVs heißen) und bei meinem Glück landet das Bild sicher auch irgendwann im Internet. Die meisten Mitarbeiterbilder wurden schon gemacht und die Fotographin hat das außergewöhnliche Talent bewiesen, alle, wirklich alle, wie 45 aussehen zu lassen. Sei es die 20-jährige Azubi oder die 60-jährige Sekretärin. Letztere dürfte sich darüber gefreut haben, bei ersterer bin ich mir nicht sicher. Ich bin noch lange nicht 45, aber dann spare ich mir 2021 das Geld fürs Passbild.

Da ich das geborene Fotomodell bin, freue ich mich nun schon den ganzen Morgen auf den Fototermin. Vor allem, weil mir das heute morgen um viertel vor sieben erst wieder eingefallen ist und ich erst mal von meinem Freund nach hause fahren musste, um mir anständige, sprich nach seriöser Arbeit, aussehende Klamotten zu besorgen. Ich liebe es, in aller Frühe zu bügeln und Knöpfe anzunähen. Ich habe es, glaube ich, hinbekommen. Um viertel nach zehn muss ich dann zum Anmalen. Eine halbe Stunde haben sie dafür angesetzt. Ich frage mich wirklich, wieviel Zeug sie mir aufs Gesicht spachteln wollen, dass sie dafür eine halbe Stunde brauchen. Danach eine halbe Stunde Fotoshooting. Shooting – Schießerei. Irgendwie ein passender Begriff, gehe ich doch bei Shootings immer in Deckung und ergreife die Flucht. Heute werde ich aber dafür bezahlt, nett zu lächeln, still zu sitzen und mich ausleuchten zu lassen. Ausreden lassen sie nicht gelten. Egal was ich mir einfallen lies, sie haben mir immer wieder einen neuen Termin gegeben. Ich muss wohl hin.

Dafür war der gestrige Abend sehr schön und wirklich unterhaltsam. Wir sind mit 13 Mann bzw. Frau zur Book Release Show der Brauseboys und es gab „Berlin mit alles“. Als einzige Weddingerin (wenn auch nur zugezogen) war mir etwas mulmig, ob die Prenzelberger, Schöneberger und die beiden Damen aus Wien mit dem Weddinger Humor klarkommen. Aber alle haben sich amüsiert, in Wien werden demnächst sogar zwei Bücher inklusive Autogramm aller Autoren verschenkt.

3 Gedanken zu “Maskerade

  1. Was zahlst Du, dass ich Dein Bild nicht ins Netz stelle? 🙂 Zur Ehrenrettung der Fototante muss ich aber sagen 3 bis 4 Bilder sahen gut aus … ok, bei über 100 ist das vielleicht kein guter Schnitt.
    Weitermachen.
    Gruß,
    Herr M.

  2. Als erstes wird Dir die Dame wahrscheinlich die Haare eindrehen (Volumen, mit Heißwicklern), dann das Gesicht eincremen, grundieren, Augen anmalen, Lippen anmalen, Leben auf die Wangen bringen. In der Zeit sind dann die Wickler ausgekühlt und Du wirst frisiert – glaub mir, Barbie lebt.
    Und dann angemault, wenn Du beim Shooting nicht die ganze Zeit die Augen offen lässt…

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