Allgäuer Abschiedsidylle – Teil 2

Alle mal raten: Wer kann wen nicht leiden? Was ist Bürgermeistersekt? Kann man etwas auch unpersönlich erleben? Und warum „auch“? Und wieviel Sektflaschen wurden da ausgesoffen? Wieviel davon hatte die Redakteurin?

Für jede Legislaturperiode eine Flasche Bürgermeistersekt
Verabschiedung In Heimenkirch verlassen zwölf von 16 Mitgliedern den Marktgemeinderat

Von Ingrid Grohe | Heimenkirch Es war viel von Harmonie die Rede in der letzten Sitzung des Marktgemeinderates Heimenkirch. „Darauf bin ich stolz“, sagte Rudi Janisch, der mit elf weiteren Gemeinderatsmitgliedern auch persönlich die letzte Gemeinderatssitzung erlebte. In den fast vollbesetzten Zuschauerreihen saßen viele Neugewählte, unter anderem Markus Reichart, der seit gestern die Geschicke des Marktes lenkt. Janisch begrüßte ihn mit den Worten: „Ich bin überzeugt, dass wir mit meinem Nachfolger einen guten Mann haben.“

„Kein ganz leichter Schritt“ sagte Rudi Janisch, als er mit der Verabschiedung der Scheidenden begann. Für jede geleistete Legislaturperiode überreichte er eine Flasche Bürgermeistersekt und eine kleine Glasskulptur, die an das Ehrenamt erinnert.

Michael Weiß (Freie Wähler) saß von 1990 bis 2008 im Marktgemeinderat Heimenkirch. „Er hat nicht allzuviel gesagt, aber seine unternehmerischen Fähigkeiten eingebracht“, resümierte Janisch. Weiß selbst empfand das Ausscheiden als bedeutsamen Schritt. „Jetzt hab’ ich das erste Mal das Gefühl, ich werde alt, wenn so eine Periode vorbeigeht.“

Willi Serafini (Freie Wähler) bekleidete das Amt von 1996 bis 2008. Auch bei ihm hob Janisch die berufliche Qualifikation als Steuerberater hervor. „Hiervon haben wir immer sehr profitiert.“

Otto Halder (Freie Wähler) gehörte dem Rat seit 2002 an. „Berufsbedingt hat er die wichtigen Punkte der Landwirtschaft herausgestellt“, beschrieb Janisch Halders Engagement. Und rätselte: „Vielleicht kommt er ja noch einmal…“.

Sepp Huber (SPD) ist laut Janisch ein „politisches Urgestein“. Vier Legislaturperioden, also 24 Jahre gehörte er dem Gemeinderat an. Der CSU-Bürgermeister richtete sehr persönliche Worte an Huber: „Ich war immer froh, dass Du dabei warst. Du warst unsere kritische Opposition, und warst aber immer bereit, konstruktive Lösungen zu suchen.“ Er lobte Huber auch für seinen zusätzlichen Einsatz und bezeichnete ihn als „unseren heimlichen Bauleiter“.

Siegfried Kistler (SPD) war von 2002 bis 2008 Mitglied des Gemeinderats. Ihm galt der Ratschlag des Bürgermeisters: „Du kannst wiederkommen. Ich habe jedenfalls immer das Gefühl gehabt, dass Du viel Freude hattest an dieser Aufgabe.“

Rolf Ochsenreiter (Grüne) engagierte sich 18 Jahre im Gemeinderat. „Manchmal war er schon sehr kritisch“, blickte Janisch zurück. „Aber seine Einwände waren sehr konstruktiv.“ Als in Heimenkirch von einer Deponie die Rede war, sei Ochsenreiter „zur Höchstform aufgelaufen“. Ebenso habe er sich dafür stark gemacht, dass das Projekt Bahnübergang Biesenberg vorangeht.

Josef Hermann (CSU) war eine Legislaturperiode Mitglied des Gremiums. „In dieser Zeit hat er viel eingebracht“, sagte Rudi Janisch. „Als Statiker konnte er uns bei Baumaßnahmen gute Hinweise geben.“ In Sachen Verkehrssituation Mothen/Biesenberg habe sich Hermann persönlich stark engagiert.

Gebhard Eller (CSU) erlebte drei Legislaturperioden im Marktgemeinderat. Als „Ortsheiligen der Landwirtschaft“ bezeichnete ihn Janisch rückwirkend. „Den Spagat zwischen Landwirtschaft und Gemeinde hat er immer gut geschafft.“

Doris Baldauf (CSU) saß ebenfalls 18 Jahre am Ratstisch. „Sie hat sich nicht zu jedem Thema geäußert. Aber wenn, dann hat jeder aufgehört“, kommentierte Janisch ihr Engagement. Als Pensionswirtin habe Doris Baldauf Anregungen der Gäste weitergegeben. Die Verabschiedete ergriff selbst das Wort: „Das waren schöne Jahre, und wir waren ein gutes Team. Dem neuen Gemeinderat will ich sagen: Wenn mal etwas nicht so passt – einfach verzeihen.“

Otto Rogg (CSU) gehört mit den 24 Jahren Gemeinderatstätigkeit auch zu den „Urgesteinen“ der Heimenkircher Kommunalpolitik. Bei ihm hob Janisch vor allem die Verdienste in Sachen Flurbereinigung hervor. Otto Rogg, so Janisch, habe außerdem in jeder Sitzung das letzte Wort gehabt – wenn es darum ging, in welcher Wirtschaft man anschließend einkehre. In diesem Zusammenhang riet Rogg den Nachfolgern: „Die Nachsitzung ist manchmal fast so wichtig wie die reguläre Sitzung. Da kann man ungezwungen manches diskutieren, was vorher noch geklemmt hat.“

Georg Eller (CSU) war seit 1990 Mitglied des Gemeinderats in Heimenkirch. „Es ist wichtig, einen aktiven Handwerksmeister dabei zu haben, auf den auch gehört wird“, sagte Rudi Janisch zu Eller.

Oskar Milz (CSU) ist nach sechs Jahren ausgeschieden. Er hatte sich für seine letzte Sitzung aus beruflichen Gründen entschuldigt. Ihn wird Rudi Janisch zu Hause besuchen, um die Abschiedsgeschenke zu bringen.

Danke lieber Westallgäuer! Der Artikel ist viel lustiger als die Berichterstattung über den 1. Mai in Berlin Kreuzberg. Da war ja zur großen Enttäuschung der Berliner Boulevardpresse fast gar nichts los.

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