Auch Grüne werden alt

Die bündnisgrüne Bundestagsfraktion feierte gestern Abend im Goya ihr 25jähriges Bestehen, da musste ich natürlich hin. Grüne und Goya? Ob das Goya nämlich der passende Ort für eine grüne Feier ist, darüber kann man streiten. Schick ist es dort jedenfalls. Aber ob sich ein Veranstaltungsort, der in letzter Zeit eher mit Pleitegeschichten Schlagzeilen machte, so positive Assoziationen hervorruft, ist fraglich. Über das Motto der Party „Ursache Zukunft“ musste ich erst mal nachdenken, fand es dann aber doch ganz okay, es gab schon Schlimmeres. Es soll wohl soviel heißen, wie ein bisschen mehr Vorausschau in der Politik, und das hat ja noch nie geschadet.

Das zweistündige Redenprogramm wurde von Katrin Göring-Eckart und Nicole Maisch moderiert, war lustig gedacht, aber wie schreibt man in Zeugnissen so schön: „Sie war stets bemüht.“? Norbert Lammerts Grußwort hat mir und eigentlich allen anderen, mit denen ich mich unterhalten habe auch, am besten gefallen. Die Rede war witzig, natürlich konnte er sich die ein oder andere Spitze gegen die Grünen nicht verkneifen, die hat er aber mit viel Charme vorgetragen. Wunderbar komisch waren die Anekdoten über öffentliche Fraktionssitzungen, strickende Männer und „real existierender Parlamentarismus“. Eine so gute Rede hätte ich dem CDU-Politiker gar nicht zugetraut. Wir hatten definitiv schon schlechtere Bundestagspräsidenten. Joschka enttäuschte an diesem Abend wohl nicht nur mich. Ich habe schon viel bissigere, mitreißendere und bessere Reden von ihm gehört. Schade, ich hatte sehr viel mehr erwartet. Claudia Roth war wie immer, ebenso Renate Künast. Die Rede des GLS-Vorstandssprechers Thomas Jorberg war inhaltlich sehr gut, leider ist er nicht der geborene Redner und so war der Lärmpegel gelegentlich zu laut, um alles zu verstehen. Überhaupt wurden lieber Randgespräche geführt als den Reden gelauscht.

Wie immer bei bündnisgrünen Veranstaltungen war das Essens- und Getränkeangebot selbstverständlich bio und auch für Vegetarier gab es genug Auswahl. Die moderne Cellomusik von Frank Wolff vor, zwischen und nach den Reden war sicher musikalisch gut, sagte mir aber nicht so zu, ich hab’s lieber klassisch. Dafür fand ich Gayle Tuffs Rockprogramm gut. Leider legte die erst gegen 23 Uhr los, da habe ich nur noch eine Viertel Stunde mitgewippt und bin dann brav nach hause.

Der Spiegel bezeichnet die Party als „Pflichtfeiern mit Biobier“ und liegt damit wohl nicht ganz falsch. Mir hat es Spaß gemacht, aber auch nur, weil ich viele Bekannte und Freunde wiedergetroffen habe und das Buffet für die durchschnittlichen Reden entschädigte.

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