Hochzeit in der Eifel

Eine Freundin hat uns zu ihrer Hochzeit eingeladen und da konnte ich nicht widerstehen, habe Herrn F. zwangsverpflichtet und bin natürlich hingefahren. In die Eifel. Nicht in den Harz, aber Mittelgebirge ist Mittelgebirge und meine Geographiekenntnisse Orte ohne U-Bahn betreffend ausgesprochen schlecht.

Mechernich hat keine U-Bahn, aber immerhin einen Bahnhof. Und Taxifahrer, die sich auskennen. Ist man ja aus Berlin nicht gewohnt. Nette ortskundige Einheimische haben wir auch zuhauf getroffen. Daher haben wir im Gegensatz zu anderen die richtige Kirche auch gleich beim ersten Versuch gefunden. Vielleicht auch deshalb, weil wir kein Navigationsgerät befragten. Die haben wohl reihenweise versucht andere Gäste sonstwohin zu schicken. Zum Beispiel auf die Autobahn, auf der sie aber schon waren. Oder zur Neuapostolischen statt zur alten Kirche…

Unser Hotel entpuppte sich als altrosa Pension. Das Zimmer und das Bad waren einwandfrei sauber, waren aber in mehreren Rosa- oder Pinktönen gehalten. So genau kenne ich mich mit rosa nicht aus. Aber als Waschbecken- und Toilettenfarbe finde ich es schon grenzwertig. Bis auf den Mülleimer, Toilettenpapier und die Hocker war im Bad alles rosa. Im Zimmer selbst konnte das eichenfarbene Holz der Möbel, der graue Teppich und die weiße Bettwäsche wenig gegen die rosa Wände, Lampen, Tischdeckchen und Vorhänge ausrichten, die Bettwäsche schien im ersten Moment auch rosa. Der Flur war auch rosa. Vielleicht färbt das ab.

Da wir etwas früh dran waren, suchten wir noch ein nettes Lokal zum Mittagessen. Wir drehten also eine Runde durch den Ort, entdeckten internationale Küche, einen Italiener, einen Griechen und diverse deftig-deutsche Imbisslokale, die wir aus diversen Gründen nicht aussuchten. Stattdessen landeten wir in einem chinesischen Lokal, wurden sehr freundlich begrüßt und zum reichhaltigen Buffet gebeten und bekamen zum Abschluss noch einen guten Kaffee. Die wussten sogar, was „vegetarisch“ bedeutet und am Buffet war auch alles korrekt beschildert. Toll. Ich legte spontan meinen Landkoller, der immer unweigerlich eintritt, wenn ich Richtung ländliche Idylle reisen muss, ab und fing sogar an, mich mit dem Gedanken anzufreunden, gleich eine Stunde in einer Kirche zubringen zu müssen.

Die entpuppte sich zu meinem großen Erstaunen als katholisch, war aber nicht ganz so überladen hässlich, wie die anderen katholischen Kirchen, die ich bisher von innen gesehen habe. Aber katholisch, so richtig mit Messdienern und Pfarrer im Kostüm. Das ständige Aufstehen und wieder Hinsetzen folgt wohl einer ausgeklügelten Choreographie, die man nur als Eingeweihter kennen kann. Die Lieder sind alle zur Lobpreisung deren Gottes und nicht ganz so poppig wie in evangelischen Kirchen (üblich?). Der Pfarrer leierte die Gebete und Lesungen alle mit lustigen Betonungen an den falschen Stellen herunter. Munter wurde er erst bei der Predigt, in der er wohl endlich mal seine Abneigung gegen Politiker, Parteien und die Gesellschaft im Allgemeinen loswerden konnte. Ich habe es überstanden und nicht gemeckert, muss das aber nicht unbedingt wiederholen. Wer mich also zu seiner Hochzeit einladen will, darf das gerne tun, sagt mir einfach, wann der Sektempfang losgeht.

Braut und Bräutigam sahen übrigens super aus. Nicht so das Sahnetortenkleid sondern sehr schöner Stoff mit aufgestickten Blümchen, schlichter Schnitt und sehr sehr elegant. Passte hervorragend zur Braut, wie überhaupt die ganze Hochzeit sehr zu den beiden passte. Schön war auch, dass beide diesen Tag genossen haben und sehr entspannt mitfeiern konnten. Da haben die beiden Trauzeugen wirklich tolle Organisationsarbeit geleistet.

Nach der Kirche gab es einen Sektempfang im Garten der Bräutigamseltern mit klasse Häppchen. Toll war auch, dass das Wetter sich doch noch umentschieden hatte und die Sonne schien. Nach dem Gratulieren und Geschenkeüberreichen wurde noch ausgiebig geplaudert, Herr F. hat mal wieder bewiesen, wie klein die Welt ist und doch glatt zwei Freunde der Braut als ehemalige Mitskifahrer einer Unifahrt wiedererkannt. Die beiden waren dann auch so nett, uns zur anschließenden Feier mitzunehmen. Die fand im Burghof statt und war super. Ich habe alles gegessen, was mir vorgesetzt wurde, der Service war bis auf eine Ausnahme hervorragend und die Reden waren im Gegensatz zu allen Befürchtungen weder langweilig noch zu lang. Auch die üblichen doofen Spielchen gab es nicht.

Wir gingen gegen eins zurück ins rosa Hotel und schliefen ausgezeichnet. Das Frühstück war okay, die Brötchen fein und der Kaffee heiß.

So, jetzt muss ich wieder Fussball gucken. Zur blonden Kellnerin, den klimatisierten Zügen, Trike- und Fiattreffen später mehr…

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