Essen als Religion – Teil 2

Je länger man über Parallelen von Essen und Religion nachdenkt, desto mehr Gemeinsamkeiten fallen einem ein. Ernährungsexperten haben sogar ihr eigenes Weihwasser, je nach Art der Sektenzugehörigkeit sind das Red Bull für die Ich-will-Spaß-Fraktion, O2 plus Sauerstoff für die Fitnessanhänger oder Puh-Err-Tee für die Gesundheitsfanatiker. Der Genuss des Weihwasser reinigt von vorangegangenen Ernährungssünden ebenso wie von zu wenig Schlaf oder zu wenig Sport.

Auch rituelle Gesten gehören zur Religion des Essens. Immer mehr davon lassen sich vor allem im Hauptverbreitungsorgan des guten Glaubens, dem Fernsehen, beobachten. Eingeweihte Verdauungsoptimierer erkennen sich so inzwischen an der Abwärtsbewegung der mit der Handfläche nach unten zeigenden Hand vor dem Bauch oder führen mit leicht gewölbten Händen eine Halbkugelbewegung vor dem Magen aus um sich anderen Glaubensanhängern zu erkennen zu geben.

Ende September pilgern Tausende nach München um dem Gott des Bieres und der Weißwurst zu huldigen, andere machen Wallfahrten zum Bad Dürkheimer Wurstmarkt, dem Stuttgarter Oktoberfest, der Berliner Biermeile oder im Frühling zum Werderschen Baumblütenfest. Höhepunkt des Glaubensjahres bildet die Adventszeit wo nahezu alle durch den rituellen Verzehr von Lebkuchen, Keksen und den Genuss von Glühwein ihren Ernährungsgöttern opfern um anschließend noch intensiver der ungesunden Lebensweise abzuschwören und sich der gesunden Ernährung zu widmen.

Auch missionierende Hausbesuche, wie die der Zeugen Jehovas, sind den Ernährungsgläubigen nicht fremd. Hier sind je nach Glaubensrichtung BoFrost oder Lieferdienste wie Brodowin missionierend unterwegs. Verbreiteter und wohl auch zeitgemäßer ist allerdings das Predigen über die einzig gute und gesunde Ernährung via neue Medien, kaum eine Sendung im Fernsehen kommt ohne Ernährungstipps aus. Auch Zeitschriften verbreiten Ernährungsweisheiten, allerdings scheinen diese ebenso auslegungsbedürftig und ebenso wenig widerspruchsfrei zu sein, wie die Handlungsempfehlungen aus der Bibel. Da die meisten sowieso nicht befolgt werden, schaden sie der Gesundheit nur selten.

Ich huldige jetzt dem Kakaogott und opfere ihm ein paar Pralinen.

Mit besten Grüßen vom dontblog.

2 Gedanken zu “Essen als Religion – Teil 2

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