Budapester Straßenbahnen

So, warum über Budapester Straßenbahnen schreiben? Ganz einfach. Die sind für Berliner doch reichlich merkwürdig. Man mag ja über die BVG meckern, soviel man will, aber in Sachen Übersichtlichkeit sind sie soweit meine Erfahrungen reichen bislang ungeschlagen. Selbst chinesische Touristen finden sich zurecht. Man kann an den zwar wenigen, aber immerhin erkennbaren und vorhandenen Schaltern nicht nur Fahrkarten kaufen, nein, es gibt auch Übersichts- und Stadtpläne mit eingezeichnetem Liniennetz. Ein von mir bislang nicht geschätzter Vorteil ist auch, dass zum Beispiel an der Station Alexanderplatz sowohl die Straßenbahnhaltestelle, die Bushaltestelle, die S-Bahnhaltestelle, die U-Bahnhaltestelle und auch die Bahnstation alle gleich heißen. Das ist nämlich in Ungarn nicht so. Da heißt es dann erst einmal herauszufinden wie die Station, an der man umsteigen muss, auf der Linie heißt, die man gerade nutzt und dann noch, wie die Station der Linie heißt, in die man wechseln möchte. Die U-Bahnstation heißt dann also Ferenc körüt, die Straßenbahnhaltestelle direkt darüber heißt aber Üllöiút. Da muss man erst mal draufkommen! Kreuzen sich zwei Straßenbahnlinien, so heißt die Station der einen Linie Bockai út, die der anderen Féhervári út.  Die Webseite der Budapester Nahverkehrsbetriebe gibt daher bei der Fahrplanauskunft auch nur an, nach wie vielen Stationen man in welche Linie umsteigen muss. Übrigens nur in Ungarisch. Bei der Straßenbahn geht das ja noch. In Bussen wird das schon lustiger. Erstens sehen ungarische Bushaltestellen nicht immer wie Bushaltestellen aus und daher ist mitzählen schwierig, und zweitens versteht man die Durchsagen auch nicht. Entweder akustisch oder aber mangels Ungarischkenntnissen. Die Pläne an den Haltestellen sind auch nicht sehr informativ. Wo man in welche Linie umsteigen kann ist dort nicht zu erkennen. Immerhin steht dran, wie lange man ungefähr unterwegs sein wird. Und was nun das Spezielle an den Straßenbahnen ist? Die haben, zumindest die, die nicht auf dem Ring und somit auf der Haupttouristenroute fahren, keine Türöffner. Daher gehen die Türen bei jedem Halt alle automatisch auf und kurz bevor sie wieder losfährt automatisch wieder zu. In den Bahnen ist es also genauso kalt wie draußen. Geheizt wird aber trotzdem. Die neuen Bahnen, übrigens die einzigen barrierefreien Fahrzeuge in Budapest, haben Türöffner. Nur verstehen die Budapester das System noch nicht. Wenn die Bahn hält und der Fahrer die Türen nicht alle öffnet, dann stehen die Budapester davor und kommen weder raus noch rein, weil keiner weiß, dass der grüne Knopf an der Tür die Tür öffnet. Da sind dann Berliner Touristen gefragt.

Fasziniert hat mich auch das Fahrkartenkontrollsystem. An den Metrostationen stehen mindestens zwei Leute und blockieren die Rolltreppe, bis auch der letzte seinen Fahrschein vorgezeigt hat. Und in Straßenbahnen und Bussen wird gar nicht kontrolliert. Und wenn, dann so, dass 20 Mann sich an der Endstation vor jede Tür der Bahn stellen und dort nur Leute mit Fahrschein einsteigen lassen. So schafft man Arbeitsplätze…

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