Mehr Kultur geht fast nicht

Da beschwere ich mich seit langer Zeit, dass ich das reichhaltige Berliner Kulturangebot viel zu wenig nutze und nun das: Ich war am Freitag in der Staatsoper und habe mir Carmen angeschaut. Leider ließ die Besetzung sehr zu wünschen übrig. Ich kenne mich da ja überhaupt nicht aus, aber ich glaube, die Hauptdarsteller haben in etwa so gesungen, wie ich das einmal in einer Generalprobe miterlebt habe und da hat man mir hinterher erklärt, die Sänger würden nur „ansingen“. Gegen das Orchester hatten weder Carmen noch ihr Liebhaber eine Chance. Einzig die Micaela war klasse. Dass ich mit meiner Einschätzung nicht ganz falsch lag, zeigte mir der Applaus, nur Micaela bekam Bravo-Rufe, die anderen eher höflichen Beifall für die immerhin fast vierstündige sportliche Leistung und vielleicht noch etwas Mitleid, weil die Kulisse nach der Pause den Geist aufgegeben hatte und somit ohne Dekoration gespielt werden musste.

Samstag haben Herr F. und ich es dann endlich zu Paul Klee und Jeff Koons in die Neue Nationalgalerie geschafft.  Mir hat die Ausstellung “Das Universum Klee” gut gefallen und ich fand mein Geld dafür wirklich gut investiert. Ich habe mir sogar den Ausstellungskatalog gekauft. Allerdings fand ich Klees Werke schon immer toll. Auch wenn ich gar nichts von Kunst verstehe, sie gefallen mir und ich fand die Ausstellung schön arrangiert. Die Zuordnung zu den einzelnen Themen richtet die Aufmerksamkeit mal in andere Bahnen und wenn man den Audioguide mit den Ausführungen der realen Kunstführerinnen und -führern kombiniert erhält man spannende und sehr informative Einblicke in das Lebenswerk Paul Klees. Das einzige was etwas schade ist, ist der furchtbare dunkelgraue Arztpraxen-Teppich, der sogar nicht ins Kunst-volle Ambiente passt.

Sich die Koons-Werke nur durchs Fenster zu betrachten (was viele wohl tun, wie die plattgedrückte Nasen an den Scheiben zeigen)  ist sicher nett, kann aber den überwältigenden Eindruck, den man hat, wenn man direkt mit der Nase vor den Werken steht sicher nicht mithalten. Dieser Kontrast zwischen der scheinbaren Leichtigkeit der Figuren und dem verwendeten tonnenschweren Material sieht man von außen sicher nicht. Außerdem ist es drinnen auch nicht ganz so kalt.

Nicht empfehlenswert ist die Cafeteria im Untergeschoss. Entweder haben die Betreiber heute morgen einen Clown gefrühstückt (ich entschuldige mich für dieses blöde Bild, aber es passt zu gut), oder aber sie machen immer blöde Sprüche. Sehr nervig. Außerdem gibt es nur dünnen Filterkaffee und trockenen, dafür faden Fertigkuchen. Passt so gar nicht zu moderner Kunst.

Und gestern war ich dann bei einem Chorkonzert in der Philharmonie. Die Kochschlampe hat mich mitgeschleift und ich habe mich überraschen lassen. Positiv. Der erste Chor octOpus hatte zwar eine schwache Sopranistin, aber der/die? Alt hat mir gut gefallen und die Auswahl der Stücke war auch nett. Nicht alles genau das, was ich mir sonst so freiwillig anhöre, aber trotzdem gut. Der zweite Chor hatte dann deutlich mehr als acht Mitglieder und wurde noch durch Cello, Cembalo (oder so was in der Art, es hatte auf alle Fälle Tasten) und zwei Geigen unterstützt. Vier Solisten durften auch noch mitsingen. Manchmal durfte der Chor dafür nicht singen, was ich schade fand, denn das hat mir besser gefallen. Allerdings musste man die Texte etwas ausblenden, ständig nur „Lobet den Herrn“ und ähnliches ist schwer anstrengend, vor allem weil es in den einzelnen Stücken noch weniger Text als bei Blue System Songs gibt…

2 Gedanken zu “Mehr Kultur geht fast nicht

  1. … und ähnliches ist schwer anstrengend, vor allem weil es in den einzelnen Stücken noch weniger Text als bei Blue System Songs gibt …
    🙂
    Dafür war das Niveau ungleich höher. Sehr schön formuliert

  2. Schöne Beschreibung von der Musik JS Bachs! Die Motetten sind nicht genau die leichtesten unter seinen Stücken.

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