Antwort auf diesen netten Kommentar

Mein Bekenntnis zum Fliegenden Spaghettimonster hat einen eifrigen Missionar veranlasst, mir zu schreiben. Da will ich doch mal antworten, immerhin hat er sich wirklich Mühe gegeben.

„Warum suchst Du nicht den wahren Christus, der vor Deinem Herzens-Tür steht und Dich lehrt, was Du wissen sollst, denn Er ist der wahrhaftige und lebendige Gott, der Dich zu einer “Rebe am Weinstock Christus” machen will, was für Dich, Deine persönliche Verbindung, Vereinigung und Gemeinschaft bedeutet und Du keine Opfer, Spenden noch den biblischen Zehnten zahlen muss.“

Um Deine Frage gleich ganz deutlich zu beantworten: Weil ich nicht an den Quatsch glaube. Ich glaube prinzipiell so gut wie gar nichts.

Und mal so nebenbei: Mein Herz hat keine Tür sondern Klappen. Haben die letztens bei der Sonographie festgestellt. Dazu gibt es noch Vorhöfe und Kammern. Ist also schon fast ein ganzes Haus. Davor steht übrigens nichts. War alles in Ordnung. Und was ich wissen soll, das sagt mir mein Chef und davor haben mir das meine Eltern, meine Lehrer und Profs gesagt. Ich habe zwar doch nicht alles wie vorgeschrieben gelernt, dafür aber noch ganz viel zusätzliches Zeugs, was die Leute mir nicht gesagt haben.

Zur Rebe möchte ich nur ausgesprochen ungern werden, ich bin ganz gern Mensch. Da habe ich mich nun schon mehr als dreißig Jahre dran gewöhnt und so gern habe ich Veränderungen nun auch nicht gerade.

Verbindung habe ich durch Telefon, Internet und persönlichen Kontakt genug, Vereinigung geht Dich gar nichts an und Gemeinschaft ist in einem so großen Land unvermeidbar. Opfer und Spenden muss ich nicht zahlen, auch ohne Christus und Weinstock nicht, nur Steuern und Sozialabgaben, aber das ist schon okay, ich krieg ja auch mehr als genug dafür zurück. Ist sozusagen eine Zuschussgeschäft. Aber nicht dass Du jetzt denkst, ich wäre nur auf meinen persönlichen Vorteil bedacht, das wäre ein falscher Eindruck.

„Ich war 27 Jahre alt, als mir dieses innere Licht aufging, dass war vor 47 Jahren, heute möchte ich keinen Tag missen von dieser Liebe und Gemeinschaft Gottes und Jesu Christi. CHRISTUS, dass ist meine innere Religion, dass ist meine Theologie nach der ich selig werden und teilhabe an der Auferstehung von den Toten, jetzt und in Ewigkeit.“

Schön für Dich, auch dass Du so alt geworden bist, und trotzdem noch so moderne Kommunikationsmittel nutzt.  Das zeugt eigentlich von geistiger Flexibilität. Schade, dass meine Oma dazu keine Lust hat, dann könnten wir öfter mal e-mailen. Mir ging letztens übrigens auch ein Licht auf, genauer gesagt, an dem Tag an dem mein Kumpel in meinem Flur eine Lampe an die Decke geschraubt hat. Nach eineinhalb Jahren heimkommen und im Dunkeln durch den Flur stolpern ist das nun zwar ungewohnt aber durchaus praktisch, wenn man eine Licht anknipsen kann. Kann man jetzt ja auch, er hat nämlich nicht nur eine Lampe rangeschraubt sondern auch gleich noch eine Glühbirne reingedreht. Ist jetzt nicht in Deinem Sinne ein inneres Licht, das gebe ich zu. Aber ich bin in letzter Zeit so oft durchleuchtet worden, da brauche ich nicht noch mehr Strahlung. Mist, da fällt mir ein, Glühbirnen sind ja böse. Jetzt muss ich nachher auf die Leiter und eine Energiesparlampe eindrehen. Gut, dass Du mich daran erinnerst. Ich bin ja prinzipiell ein Öko, manchmal mangelt es aber an der Umsetzung von Details…

„Komm und folge diesem Christus nach ,denn von IHM steht so geschrieben, wie ich Dir aus lauter Liebe zu Gott Dir mitteile.“

Meine Mum hat mir als Kind immer gesagt, dass ich nicht mit Fremden mitgehen soll. Damit bin ich bis jetzt immer gut gefahren und meist tue ich, was meine Mum mir sagt. Und somit ist wohl klar, dass ich Deiner Aufforderung einem gewissen Christus hinterherzulaufen nicht nachkommen kann, ich kenne ihn ja nicht und das entspricht ja wohl dann der Definition „fremd“. Gelesen habe ich zwar schon von ihm, neben dem Buch, auf das Du Dich beziehst gibt es noch zwei weitere ganz interessante; gut, literarisch nicht so schön wie Zauberberg, Faust oder Sommernachtstraum, aber auch ganz unterhaltsam: „Ein Mensch namens Jesus“ und „Die Bibel nach Biff“. Den Rest Deines Satzes habe ich nicht ganz verstanden, da kam Dir wohl aus lauter Liebe zu Gott die Grammatik in die Quere. Interpunktion ist auch keines Deiner Hobbies, oder? Ich komme mit der Kommasetzung auch nicht klar. Und seit der Rechtschreibreform ist es noch schlimmer geworden.

„Es geht um Deine geistige Identität, die Du auf keinen anderen Weg erreichen kannst, Es geht um Deine geistige Würde, die Du auch nicht für den Mammon dieser Erde kaufen kannst. NICHT Religion, Kirche, Tempel, Gemeinde und Sekte macht Dich rein und heilig vor Gott im Wasserbad des Wortes Gottes, sondern Christus allein,Er ist die Mitte des Universums und Er will auch die Mitte Dein und mein Leben sein. Was Du brauchst um religiös und fromm zu sein, liegt in Dir und in Deinem aufrichtigen Verhalten.“

Also entschuldige mal! Jetzt übertreibst Du es aber ganz gewaltig. Meiner geistigen Identität und Würde geht es ausgezeichnet. Die sind auch weder gekauft noch käuflich. Keine Sorge. Ich bin intelligent genug um mich auf diesem Planeten zurecht zu finden. Da brauch ich keinen Leithammel. Mal davon abgesehen fehlt mir dazu auch der nötige Mammon.

Zum Reinwerden reicht mir übrigens meine Dusche und das total gut riechende Zitronenduschgel von Weleda. Ich muss aber zugeben, dass ich doch schon gern auch eine Badewanne hätte.

Dieses Mitte-Gefasel geht mir schon bei den ganzen Parteien voll auf den Zeiger. Die wollen auch immer mitte sein. Hier in Berlin ist es übrigens noch schlimmer, hier haben wir sogar einen Bezirk, der Mitte heißt, aber im Ostteil Berlins liegt. Versteht doch keiner. Soll mal einer definieren, wo diese ominöse Mitte überhaupt sein soll. Und ob es da nur eine gibt, was ja irgendwie logisch wäre oder so viele wie da immer durch die Presse geistern. Deine Mitte-Definition verstehe ich auch nicht so ganz. Vor allem, was das mit Wasserbad zu tun haben soll.

Ich will übrigens gar nicht religiös und fromm werden. Wo ist da eigentlich der Unterschied? Naja, ist vielleicht unwichtig. Übrigens verhalte ich mich trotz meiner Ungläubigkeit meist aufrichtig. Notlügen sind ja wohl erlaubt, oder? Na auch egal, ist ein anderes Thema.

„Es ist einwenig viel was ich Dir zu Anfang Deiner Religiösität geschrieben habe, aber Du wirst es schaffen,denn ich habe es auch geschafft. P.S“

Nett, dass Du mir helfen willst, aber danke, ich komm klar. Wenn ich etwas nicht weiß, dann frage ich Wikipedia oder noch besser den Brockhaus. Bei dem, was ich noch alles so schaffen will kannst Du mir leider nicht helfen. Es sei denn, Du hättest Zeit, meine Einkäufe zu erledigen und die Küche zu putzen. Das müsste wirklich dringend mal geschafft werden. Den Rest erledige ich gern selbst.

So, nun sollte auch dem letzten klar geworden sein, dass mein Beitrag  von heute morgen ironisch gemeint war. Ich weiß, Ironie ist leider vielen Gläubigen fremd, daher hier die kurze Erklärung: Ironie ist eine Äußerung, welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.

P.S. Wer glauben möchte und sich dabei wohl fühlt, soll das tun. Einzige Bedingung: Lasst mich damit in Frieden. Ich lauf ja auch nicht überall rum und sag den Leuten, sie sollen aufhören zu glauben. Und um es noch mal für die ganz Resistenten zu schreiben: Glaubt was Ihr wollt, aber missioniert nicht wahllos in der Gegend herum! Oder lasst es einfach ganz. Bei mir zumindest, es war, ist und bleibt absolut zwecklos.

12 Gedanken zu “Antwort auf diesen netten Kommentar

  1. Pingback: Peter, mal wieder « Verweile doch
  2. Peter scheint eher das Netz nach auch nur entfernt religiösen Beiträgen zu durchkämmen und dann seine Standardkommentare zu hinterlassen. Immer tendeziell lang und gewunden geschrieben. Korinther scheint er besonders gern zu zitieren (immer falsch? Ich denke ja).

    So eine Trollinfektion geht auch vorüber…

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