Und noch mal, lieber Peter,

danke für den Wunsch, mich kennen zu lernen (den Ausdruck fand ich übrigens früher besser, als man das noch zusammenschreiben durfte…).

„Gern würde ich Dich kennen lernen und Dir in die Augen schauen, gleich ob Du ein Mann oder Frau bist, denn wie der Mund und seine Aussagen, das Siegelbild des Geistes ist, der in dem Menschen wohnt, So sind die Augen, das Spiegelbild der Seele, und da sieht es arg in Dir aus, trotz Deinen sauberen, kritischen Aussagen.“

Du willst mir in die Augen schauen? Ob sich das lohnt? Sie sind grün. Zu tief solltest Du aber nicht reinschauen, das Herr F. nicht gern. Die Retina ist übrigens die direkte Schnittstelle zum Gehirn, man könnte also wohl mit entsprechender Ausrüstung ein paar Nerven erkennen, aber bis zur Seele käme man damit wohl nicht. Die soll ja auch bekanntlich tiefer sitzen und dahin zustarren wäre doch schon sehr unanständig.

Ich nehme mal an, Du meinst, dass der Mund und seine Aussagen Spiegelbild, und nicht Siegelbild, des Geistes sind. Wobei Siegel sicher auch oft zutrifft. Schließlich sagt man ja nicht immer alles, was man sich in seinem Geiste so ausdenkt. Ich bin jedoch nicht der Ansicht, dass in mir ein Geist wohnt. Tendenziell habe ich es nicht so mit Untermietern. Also Kaninchen in der Wohnung sind okay, an die habe ich mich gewöhnt, aber noch mal WG wäre nichts für mich. Ich habe in den letzten Jahren des Alleinelebens einige Eigenheiten entwickelt, die nicht unbedingt mitbewohnerkompatibel sind. Das wird sicher lustig, wenn ich demnächst mit Herrn F. zusammenziehe. Aber ich denke, Du meinst, der Geist wohnt in mir. Hm, könnte man manchmal schon glauben. Ich finde ja diesen Buchtitel „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ ganz passend. Aber im Großen und Ganzen bin ich doch ein recht einheitlich und durchgängig strukturierter Mensch. Da ist für Geister nicht viel Platz. Die würden sich wohl eh langweilen bei all dem komischen Zeug, dass ich zurzeit in mein Hirn schaufeln muss. Ach, ich schweife ab, die Arbeit verfolgt mich. Macht aber nichts, ich habe einen sehr interessanten Beruf. Ups, jetzt bin ich echt weit weg von Deiner Welt. Okay, zurück zu Dir, lieber Peter: Woher willst Du denn wissen, wie es in meiner Seele aussieht? Noch hast Du mir ja nicht in die Augen gesehen. Ich bin da auch eher abgeneigt, ein Gespräch mit Dir wäre doch sehr einseitig. Argumente austauschen ist nicht gerade Deine Stärke, oder? Naja, und dann wäre mir das doch sehr langweilig. Und Dir meine wenige Zeit zu opfern, um dann nur Deinem Monolog zu lauschen, ach nee, lass mal.

„Bald erscheint noch eine weitere Publikation von mir unter Google-Suchleiste, mit dem Titel: “Denn ich lebe unter Toten”!“

Gratuliere. Ich habe  auch letztens was veröffentlicht. War zwar nur ein Kapitel in einem Buch, aber ich bin trotzdem stolz darauf. Es ist schön, wenn man was schreibt und andere das dann auch lesen wollen. Vielleicht, mit viel Glück, darf ich demnächst was in der Technology Review veröffentlichen. Ist wahrscheinlich nicht Deine bevorzugte Lektüre, oder? Ich gebe zu, sie ist ein wenig populärwissenschaftlich, aber ich bin auch keine Vollblutwissenschaftlerin, da muss es nicht gleich Science oder Nature sein.

Dein Publikationstitel ist ein wenig gruselig. Klingt wie ein schlechter Horrorfilm. Macht mir Angst, Du bist doch nicht nekrophil, oder?

So, nun muss ich aber aufhören, die Mittagspause ist um.

Beste Grüße,

dontblog

19 Gedanken zu “Und noch mal, lieber Peter,

  1. Ich achte sehr auf die Worte, denn es wird Fleisch.
    Alles hat eben eine Wirkung. Ich bleibe mittlerweile ganz bewusst im persönlichen Kontakt und mache auf die Unmöglichkeit aufmerksam, die ständig von mir persönlich gefordert wird, gleich an die ganze Welt zu denken, wenn es gerade mal um das Verhalten und die Denkweise einer einzigen oder zweier Personen geht.
    Stellt euch vor alle Menschen würden ehrlich, ernsthaft und liebevoll miteinander umgehen! Wo kämen wir da wohl dann hin?😀

  2. Liebe Rote Gräfin, nicht Dir, allen da draußen schreibe ich das, daher auch der Plural. Mitten im Text in die direkte Ansprache zu wechseln ist wohl das falsches Stilmittel, gut, da muss ich noch dran arbeiten. Du sollst Dich persönlich angegriffen fühlen. Wenn ich was persönlich meine, schreibe/sage ich das auch. Da bin ich so frei. Da kenn ich gar nichts. Und aufgeregt habe ich mich auch nicht, keine Sorge. Klingt dann auch ganz anders, wenn ich mich aufrege.

  3. „aber lasst uns in Frieden leben und betrachtet uns Anders- oder Nichtgläubigen nicht als minderwertiger als Ihr es seid.“
    „Jede Jeck is anders“ wird in Köln gesagt.
    Meine Oma sagte: „Was kümmert’s den Mond wenn ihn der Hund anbellt?“ oder heute
    „Das trifft mich soviel, als wenn in China ein Sack Reis umfällt.“
    Ich frage dann: „Was ist los? Warum regst Du Dich so auf?“
    Ich denke Du kannst Dir aussuchen wie Du damit umgehen willst.
    Ich kann es nicht ändern, dass es so viele Menschen gibt die auf andere herunter schauen. Es ist nun einmal so. Ich kann Dich aber fragen, warum schreibst Du es mir? Hast Du den Eindruck von mir ich mache es genauso?

  4. Jeder hat ein Recht auf Leben, da stimme ich zu. Aber daraus kann ich leider nicht ableiten, dass er/sie somit auch das Recht hat, sich zu benehmen, wie es ihm/ihr gerade in den Sinn kommt. Dass diese Personen leben, das ist okay, die Art und Weise, wie sie es tun entscheidet bei mir darüber, ob ich den Kontakt möchte oder nicht. Mir ist auch egal, was ein Mensch glaubt, solange dieser Glaube nicht beinhaltet, andere als minderwertig und nicht lebenswert anzusehen. Da hört bei mir die Toleranz auf und Akzeptanz kann man dann schon gleich gar nicht erwarten. Betet Spaghettimonster, einen christlichen oder islamischen Gott oder meinetwegen auch irgendeine Fruchtbarkeitsgöttin an, ich werde nicht unbekleidet in Euren Kirchen rumhüpfen, Euch kein Schweinefleisch servieren oder Euch die Schuhsohlen zeigen, aber lasst uns in Frieden leben und betrachtet uns Anders- oder Nichtgläubigen nicht als minderwertiger als Ihr es seid.

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