Inselbewohner sind anders Teil 2

Nachdem ich gestern berichtet habe, wie man auf die Insel raufkommt, ist es heute Zeit, darüber zu berichten, wie man auf der Insel rumkommt. Bequem und praktisch geht das mit dem Bus. Es gibt davon recht viele und die fahren auch noch, zumindest für eine ländliche Region (88.000 Einwohner auf der gesamten Insel sind jetzt nicht wirklich urban…) recht häufig. Einziger Nachteil: Man muss immer über St. Helier fahren, Rundreisen mit dem Bus gibt es nur als gebuchte Touren für Anhänger des geführten Tourismus. Da die Insel aber nicht so groß ist, ist so ein kleiner Umweg zurück über die Hauptstadt kein Problem. Wenn man nicht gerade am Stock geht, kann man auch locker mal quer übers Land zur nächsten Linie laufen und sich so den Umweg sparen. Teuer ist so ein Drei-Tages-Ticket auch nicht, alles ganz praktisch.

Was Busfahren auf Jersey eklatant von Busfahren in Berlin unterscheidet ist die stattfindende Kommunikation: Die ist erstens existent und zweitens mehr als freundlich. Wenn man irgendwo doof in der Landschaft steht, hält so ein Busfahrer durchaus mal an und fragt, ob man mitfahren möchte. Wenn man einsteigt wird man begrüßt und grüßt zurück. Das machen da alle, wirklich alle! Und das allerschärfste: Wenn man aussteigt, und man kann nur vorne raus, dann bedankt man sich und wünscht noch gute Fahrt, einen schönen Tag oder eine gute Nacht. Am Anfang dachte ich ja, die Insulaner bedanken sich dafür, dass die Busfahrer mit ihrem gewöhnungsbedürftigen, für die schmalen Inselsträßchen doch recht  rasanten Fahrstil nicht im Straßengraben gelandet sind. Das ist es aber nicht. Die sind einfach alle furchtbar freundlich dort.

Etwas irritiert, neben dem Fahrstil, hat mich, dass die meisten Busfahrer es so eilig haben, dass sie schon bei der Anfahrt an eine Station die Tür öffnen und sie auch erst beim Abfahren wieder schließen. Da habe ich dann auch verstanden, warum das Stehen im vorderen Bereich des Busses nicht erlaubt ist. Man könnte bei einer der vielen Kurven rausfallen. Trotz der Eile warten sie aber immer auf langsame Fahrgäste, die Wartezeit holen sie dann durch Raserei wieder raus.

Den großen Busbahnhof in St. Helier findet man recht leicht. Der ist auf vielen Wegweisern angeschrieben, steht auf jeder Karte und liegt so am Hafen, dass man ihn nicht übersehen kann. Ziemlich modern ist das Teil. Die Busse fahren auf der Rückseite in das Gebäude rein und halten dann vor Türen, durch die die Fahrgäste aus der Wartehalle aus einsteigen können. Toll, wenn es mal regnet oder saukalt ist. Man wartet in einer sauberen, warmen, mit WLAN ausgestatteten Halle, es gibt einen Imbiss und saubere Toiletten. Und einen ausgesprochen hilfreichen Kartenverkaufsschalter. Die wollen einem dort auch nur die billigsten Tickets andrehen. Wir wollten je eines für drei Tage zu 15 Pfund, er wollte uns das lieber nicht verkaufen, weil sich das nur rentieren würde, wenn man mindestens viermal pro Tag fahren würde. Ist mir am S-Bahnschalter noch nie passiert! Und bei der Bahn wäre das wohl unmöglich.

Etwas kniffliger wird die Suche nach einer Bushaltestelle außerhalb von St. Helier. Da es auf Jersey wohl nie schneit, verzichten sie weitgehend auf Straßenschilder. Ab und an findet man mal ein Vorfahrt-Beachten-Schild oder einen Wegweiser. Das war es dann aber auch schon. Alle anderen für den Verkehr wichtigen Informationen werden direkt auf die Straße gepinselt. Auch die Bushaltestellen sind so gekennzeichnet. Statt also in die Luft zu gucken, ob man irgendwo ein Schild mit H drauf sieht, sucht man die Straße ab. Dort findet man mit Glück ein „Bus Stop“ und darunter eine vierstellige Nummer. Die kann man per SMS zu einer Servicenummer schicken und bekommt dann die nächsten zwei Abfahrtszeiten zurückgetextet. Ganz praktisch, denn Busfahrpläne gibt es nur so ganz allgemein, da stehen die vier/fünf wichtigsten Stationen einer Linie drauf, aber an der Haltestelle steht meist nichts. Ich habe das leider nicht ausprobiert, wir haben die ungefähre Abfahrtszeit immer selbst berechnet. Hat immer ganz gut geklappt.

3 Gedanken zu “Inselbewohner sind anders Teil 2

  1. Ich sage immer „Guten Tag“, eine Angewohnheit, die ich mir nicht abgewöhnen konnte. Allerdings zucke ich immer noch zusammen, wenn ein Berliner Busfahrer antwortet. Es kommt einfach so selten vor…
    Ähnlich ist es an Supermarktkassen oder in der Mensa. Wobei die Kassendamen in der Mensa nicht mehr ganz so entsetzt schauen, wenn ich „Hallo!“, „Danke!“ und „Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch!“ sage. Nach fast zwei Jahren jage ich ihnen damit wohl nicht mehr soviel Angst ein.

  2. Die Freundlichkeit der Briten ist mir am Londoner Flughafen auch aufgefallen. Da wollte ich mir ein Bahnticket kaufen und der Herr hat mich doch glatt zur konkurrierenden Busgesellschaft geschickt. Er meinte, die wären billiger und schneller. Ich war erstaunt.

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