Was macht Frau und Mann mit…

Tomaten, jungem Spinat, 3 Hass-Avocados, Kloßteig halb-und-halb, einer Zucchini, Blätterteig, einem Bund Rosmarin, jungem Knoblauch, Kresse, einer Schale Himbeeren, zwei Schalen Erdbeeren, 1000 Gramm Joghurt ohne Fett, Schafskäse, einer Paprika, einer Zwiebel, einem Radicchio, einer Mango, einer Schale Champignons, einem Glas Pflaumen, einer Packung Physalis (Kapstachelbeeren) und sieben, später acht hungrigen Menschen?

Ganz klar, erst mal den Überblick verlieren, dann Aufgaben verteilen und irgendwie schon mal ganz fix was Essbares zaubern, nebenbei die viel zu kleine Küche verfluchen und ständig jemandem im Weg stehen und genug Messer und Brettchen suchen. Ein Trick um jedes 3-Euro-Kochen zum Erfolg zu führen: Alle mit ausreichend alkoholischen Getränken oder Cola versorgen und die Wegbeschreibung zur Dönerbude um die Ecke detailreich schildern (hilft im Wedding, eventuell in Kreuzberg und Neukölln. In anderen Städten den kulturellen Gegebenheiten anpassen…). Und vor scharfen Messern warnen. Vor allem, wenn der Bruder die letztens erst noch mal geschliffen hat. Seit ich mir damit mal die halbe Fingerkuppe in die Kräuter geschnippelt habe bin ich da etwas panisch. Es blieb aber glücklicherweise ein blut- und tränenfreier Abend.

Angefangen haben wir mit gebackenem Radicchio: achteln, in eine Auflaufform verfrachten ohne ihn allzu sehr zu zerfleddern, Weißwein darüber kippen, mit Salz und was sonst an Gewürzen da ist und auch schmecken könnte, aufpeppen, dann ab in den Ofen damit und den Radicchio weich schmoren lassen; d.h. rausholen, wenn die Quiche rein muss.

Dazu gab es einen Tomaten-Avocadosalat (gepimpt mit ganz wenig Habanero) zum Weiterbasteln: wahlweise Mango und/oder Kresse dazu, als Highlight zwei verschiedene Dressings: Senf-Balsamico und noch so was Feines aus weißem Balsamicoessig und Walnussöl, einfach hier nach dem Rezept fragen:  http://shripsinn.blogspot.com/.

Während wir den ersten Heißhunger stillten brutzelten in einer Pfanne relativ friedlich die Champignons und die Zucchini vor sich hin, die Zwiebel und den Knoblauch mussten wir wegen alzheimerähnlichen Ausfallerscheinungen extra anbraten, sie konnten sich aber trotzdem noch mit den beiden anderen Zutaten arrangieren. Das ganze Durcheinander in der Pfanne je nach Geschmack würzen, da wir Rosmarin da hatten, nahmen wir halt Rosmarin.

Irgendwie zwischen Essen, Trinken, Quatschen und Kochen haben wir noch den Blätterteig in eine Kuchenform verfrachtet, den Spinat kurz zusammenfallen lassen (macht man in einem großen Topf und wenig Wasser, Hitze drunter hilft ungemein), die Kochschlampe aus zwei Eiern und Sojamilch noch was zum Drüberkippen zusammenrühren lassen, Spinat zusammen mit gewürfelter Paprika, ein wenig gebratenen Zwiebeln und dem Sojamilch-Eier-Zeuch in den Blätterteig packen, darüber den Schafskäse optisch gerecht verteilen, das ganze als Quiche bezeichnen und dann ab damit in den Ofen. (Den Radicchio vorher rausholen…)

Bei so vielen Leuten findet sich immer ein „Freiwilliger“ zum Schnippeln oder Klöße drehen, für letztere nimmt man einen großen Topf, macht ordentlich Wasser rein und wenn das kocht wirft man die Klöße, je nach Laune der Gastgeber, mit mehr oder weniger Schwung ins Wasser und lässt die da ungefähr 10 Minuten  blubbern. Klöße zusammen mit dem Pilz-Zucchinigemüse essen. Danach ist dann auch endlich die Quiche fertig. Die darf man dann auch noch essen.

Jetzt sind noch Joghurt, Erdbeeren, Himbeeren, das Glas mit den Pflaumen und Kapstachelbeeren übrig. Die Erdbeeren schon relativ früh am Abend mit dem Erdbeerlimes der letzten Party und ordentlich Zucker und zwei Esslöffeln gehacktem Rosmarin in einem Topf aufkochen, pürrieren, mit Agar-Agar andicken und kurz abkühlen lassen, dann ab ins Eisfach. Die eine Hälfte des Joghurts mit Basilikum und selbstgemachtem Löwenzahnsirup vom Papst abschmecken, die andere Hälfte mit gehackten Mandeln und Wachholderlatwerge verrühren. Wer das nicht da hat, kann ja Ahornsirup, Rübensaft, Marmelade oder saure Gurken nehmen. Wir hatten das aber alles nicht, daher haben wir halt das genommen, was da war. Serviert wird das Erbeergelee mit den noch übrig gebliebenen (Die scheinen zu diffundieren…) Himbeeren und Kapstachelbeeren und den beiden Joghurtsaucen. Dazu gibt es warme Pflaumen: Glas aufschrauben, Inhalt in einen Topf geben, drunter heizen, Zimtstange und Zucker dazu, mit Agar-Agar abbinden.) Schmeckt wie Weihnachten. Total fein.

Wie immer in den letzten acht Jahren, war auch dieser Abend ein super 3-Euro-Kochen. Eines verwundert mich aber zutiefst: Warum gab es noch nie einen Kochabend ohne dass irgendeiner Champignons und Zwiebeln mitbrachte?

P.S.: Für Neulinge: 3-Euro-Kochen ist das, wenn jeder Gast für drei Euro Lebensmittel einkauft und mitbringt ohne die anderen darüber vorab zu informieren. Je wilder die Zutatenkombinationen ausfallen, desto lustiger ist das Rätselraten, was man aus diesen auf den ersten Blick nicht so richtig zusammenpassenden Zutaten denn so kochen könnte. Ziel ist es, alle Zutaten zu etwas Essbarem zu verbauen. Basics wie Eier, Milch, Mehl und Gewürze dürfen im Notfall beim Gastgeber entwendet werden. Nur Altbekanntes zu kochen oder Zutaten explizit nur für einen Gang zu kaufen ist langweilig. Also nicht alles, was nach Nachtisch aussieht muss auch Nachtisch werden! Experimentieren ist ausdrücklich erwünscht und Sinn und Zweck dieser Übung.

Für Ängstliche: Einfach jemanden mit Kochkenntnissen einladen. Außerdem immer daran denken, dass wir in den acht Jahren, seit wir das machen, erst zweimal etwas fabriziert haben, was keiner von uns essen wollte. Es gab auch immer mindestens drei Gänge und satt wurden auch immer alle… Es ist also alles ganz einfach. Zur Not die Nummer eines Pizzalieferanten parat haben.

Für Unkreative: Wenn man seine Gastgeberin mal so richtig herausfordern möchte, bringt man so komische Tassentütensuppen mit Champignongeschmack oder andere Fertiggerichte mit. Drei Kilo Zwiebeln sind auch sportlich gedacht und Reisnudeln sind bei uns heute noch ein Running Gag. Ein Bummel durch den Asialaden seines Vertrauens ist auch immer wieder eine Fundgrube um staunende und ratlose Gesichter zu produzieren. Nicht empfehlen kann ich den Griff zu Tapikoaperlen in Giftgrün, die werden bei Kontakt mit Wasser sehr froschlaichig und wenn man es noch dazu anbrennen lässt, schmeckt es grausam… Komische grüne längliche und leicht plüschige Dinger aus der Gemüseabteilung sollte man auch meiden, wenn man die anderen Mitkocher gern hat, die werden beim Braten nämlich derart bitter, dass man sie auch beim besten Willen nicht runterwürgen kann. 

2 Gedanken zu “Was macht Frau und Mann mit…

  1. Pingback: Schokolade mit Apfel « Kochen für Schlampen - Hamburg, Berlin, Zürich

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