Wieso ich nichts mehr glaube…

Hier in Berlin tobt gerade ein lustiger Wettkampf um das schlechteste Plakat. Es geht um verpflichtenden und versetzungsrelevanten Religionsunterricht an Schulen oder die Weiterführung des bisherigen Modells, Ethikunterricht für alle. Als Mensch mit mehr als 5 funktionierenden Gehirnzellen geht man natürlich mit NEIN, also gegen den Relgionsquatsch abstimmen. Wer Religionsunterricht haben möchte, kann das ja gerne haben, aber an staatlichen Schulen hat der Blödsinn nichts zu suchen. Und für so eine Kampagne auch noch tausende von Euros rauszupulvern, nur um ein paar miese Werbeagenturen zu alimentieren… Hallo? Habt Ihr keine anderen Probleme? Zum Beispiel bröckelnde, baufällige Schulen? Zu wenig Lehrer? Man könnte sich auch mal Gedanken darüber machen, wie man es schafft, dass nicht ein großer Teil der Schüler als Analphabeten die Schule verlässt… Nur um mal ein, zwei Ideen zu nennen.

Dieser Glaubenskrieg, den die evangelische Kirche hier angezettelt hat um mal wieder ein wenig Schlagkraft zu demonstreieren und zu brüllen: „Uns gibt es noch!“  zeigt mir mal wieder, wie glücklich ich sein kann, dass ich an so rein gar nichts glaube. Und das schon ganz ganz lange. Nämlich seit Nikolaus 19annodazumal. Da habe ich nämlich meine Mutter beim Schokolade-in-die-Stiefel-Stecken beobachtet und danach war bei mir die Sache klar: Wenn es den Nikolaus schon nicht gibt, dann kann es auch weder Christkind noch Osterhasen geben. Die arme Kerl evon der Nikolausleihstelle hatten es danach bei mir immer schwer. Meinen Religionslehrern ging ich mit meiner Fragerei nach dem Wiesoweshalbwarum tierisch auf den Zeiger und der Pfaffe wollte mich beinah nicht konfirmieren (ich durfte die Konfirmandengruppe wechseln…) weil ich jedes seiner Bibelzitate mit einem anderen Zitat aus demselben Märchenbuch widerlegen konnte. Damals habe ich erkannt: Lesen bildet ungemein und wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil…

Endgültig vom Konzept christlicher Organisationen abgefallen bin ich, als wir in unserem Klassenzimmer das Kruzidings abhängen wollten. Durften wir nicht. Also wollten wir ergänzend einen Buddha aufstellen. Wurde auch untersagt. Dann haben wir den INRI halt kopfüber aufgehängt und ich sage Euch, da war dann was los… Ich wurde doch glatt zum Direktor zitiert. Der war aber recht in Ordnung, wir haben ein wenig diskutiert und danach durften wir das Dingens komplett abhängen.

5 Gedanken zu “Wieso ich nichts mehr glaube…

  1. @ama: Ob Weihnachten feiern mit Genozid feiern gleichgesetzt werden kann, möchte ich doch sehr bezweifeln. Nein, ezurückweisen. Die meisten wissen doch heute eh nicht mehr, warum Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert wird. Und noch mehr wissen sicher nicht mal mehr, wer oder was die Kanaaiter sind.

    Dass die Abstimmung völliger Quatsch war, haben wir ja jetzt amtlich.

    @rote Gräfin: Schön wieder von Ihnen zu hören/lesen. Ja, das Selbstbewusstsein aller sollte sich tatsächlich frei entwickeln dürfen. Selbstverständlich unter Einhaltung gesellschaftlich notwendiger Regeln für ein friedliches Zusammenleben. Ich bin auch überzeugt, dass eine Erziehung zum selbstständigen Denken, zur Toleranz und zu guten Manieren recht hilfreich sein kann.

    @Blaublut: Ist diese leicht dekonstruktive Ader angesichts religiöser Symbole genetisch bedingt?

  2. Heute in Berlin

    Nicht bloß da. Auch der Rest der Nation atmet auf, daß dieser Kelch des Irrsinns an uns vorüber gegangen ist.

    Eins sollte aber klar sein: DASS es diese Abstimmung überhaupt gegeben hat, ist ein Zeichen schwerster Idiotie.

    Wir brauchen keine Wahnsinnigen, die den Genozid an den Kanaanitern noch 2000 Jahre später kalendermäßig alle 12 Monate feiern.

    Und wir brauchen erst recht keine Wahnsinnigen, die uns ZWINGEN WOLLEN, den Genozid an den Kanaanitern noch 2000 Jahre später kalendermäßig alle 12 Monate zu feiern und dabei auch noch brav Männchen zu machen und zu kuschen.

  3. Pingback: Heute in Berlin « Achter
  4. Ich hab zwar den INRI nicht verkehrt herum aufgehängt, dafür habe ich sein Kreuz kurzerweise auseinander genommen und aus meinem Blickfeld gehängt. Es wurde zwar wieder zusammengebaut, aber immerhin hat man es in der hinteren Ecke des Klassenzimmers hängen lassen wo es meine Träumereien wärend des Unterrichts nicht mehr störte.

  5. Donnerwetter! Alle Achtung!
    Ich habe mich selber als 4-5 jährige nur gefragt, warum, wenn der liebe Heiland so lieb war, er ans Kreuz geschlagen wurde.
    Für mich war einfach klar, jemand der lieb war den behandelt man einfach nicht so schlecht.
    Dann hatte ich aber immer Angst, dass die Leute, die mich schlecht behandelt haben in die Hölle kommen.
    Diesen ganzen Gedankenmüll loszuwerden und zu sehen, woher real meine Ängste kommen, dafür habe ich ziemlich lange gebraucht.
    Aber gleichzeitig auch erkennen, dass zwar durch beide Kirchen, das Leid dazu missbraucht wurde Menschen in Abhängigkeiten zu halten, weil zu wenig wert und Betonung auf die Auferstehung im hier und jetzt Wert gelegt wird.
    Dabei gibt es eine enorme Verknüpfung und Verknotung von verschrobenen Gedankengängen, die ein natürliches Selbstbewusstsein verhindern.
    Da ist anzusetzen und das ist auszubauen, das natürliche Selbstbewusstsein in jedem Menschen zu stärken.

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