Gastfreundschaft

Seit ein paar Tagen haben die Bewohner des Bethanien Gäste. Eine Gruppe Roma hat sich bei ihnen einquartiert und nun scheint es zu einigen Schwierigkeiten gekommen zu sein. Deswegen hat sich nun auch die Berliner Verwaltung eingeschaltet und sucht nach Unterkünften für die auf inzwischen 90 Leute angewachsene Gruppe. Wozu sie nicht verpflichtet sind, da die Roma mit Touristenvisa hier sind. Die Suche gestaltet sich nun dazu etwas schwierig, weil die Gruppe nicht getrennt werden möchte und auch über die Dauer ihres Aufenthalts andere Vorstellungen hat, als die Berliner. Das schreibt der Tagesspiegel in seiner Onlineausgabe:

„Am Dienstagmittag waren die Roma auszugsbereit. Vor dem besetzten Südflügel des ehemaligen Krankenhauses Bethanien in Kreuzberg stapelten sich die Habseligkeiten der Rumänen auf alten Kinderwagen und in großen Ikeataschen, Kleidung, Decken und Matratzen waren zusammengepackt. Mütter und Kinder warteten auf dem Spielplatz auf den Auszug. Nachmittags allerdings verschwand die Aufbruchstimmung: Noch einmal sprachen Vertreter des Kreuzberger Sozialamtes, der Fachstelle für Wohnungsnotfälle des Bezirks und des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) mit den Roma. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht, wie bislang angenommen, um 60, sondern um 90 rumänische Bürger handelt. Die am Montag vereinbarte Lösung wurde damit hinfällig. Der zuständige Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Die Linke) sagte, er staune doch darüber, dass die Zahl der Roma ständig steige.

Man hatte den Rumänen angeboten, sie in über die Stadt verteilten Unterkünften für Obdachlose unterzubringen. Für 60 Personen wäre dort Platz gewesen – nicht jedoch für 90. Außerdem waren die Roma nicht einverstanden mit der gängigen Praxis der Stadt, sie – sortiert nach Geburtsdaten – auf Bezirke zu verteilen. „Die Familienverhältnisse sind sehr kompliziert“, sagte Holger David, Leiter des Sozialamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Es sei schwierig, dies zu berücksichtigen. Außerdem gebe es unterschiedliche Vorstellungen über die Dauer der Unterbringung. „Es besteht die Erwartung, vier bis fünf Monate in den Unterkünften bleiben zu können“, sagte Heike Effertz von der Fachstelle für Wohnungsnotfälle. So lange hätten die Rumänen allerdings in Deutschland kein Aufenthaltsrecht, zumindest dann nicht, wenn sie sich nicht selbst versorgen könnten. Dies sei allerdings auch nicht zu erwarten, denn eine Arbeitserlaubnis erhalten Rumänen aufgrund der eingeschränkten Freizügigkeit für die osteuropäischen EU-Neumitglieder nicht automatisch. Des Weiteren forderten die Behörden von den Roma, dass sie Anträge bei den Ämtern stellen sollten, was sie wegen mangelnder Sprachkenntnisse ablehnen. Möglicherweise werden einige der Rumänen nun doch in das Flüchtlingsheim in der Spandauer Motardstraße ziehen. Derweil verschärft sich die politische Kritik an der Situation.

„Das ist ein Missbrauch der Gastfreundschaft“, sagte der migrationspolitische Sprecher der CDU, Kurt Wansner. „Das Schicksal der 90 Roma sollte zum Anlass genommen werden, die Lebensumstände in den Herkunftsnationen nachhaltig zu verbessern“, forderte die frühere Berliner Integrationsbeauftragte Barbara John (CDU). Rumänien sei ein EU-Sorgenkind, vierzig Prozent der Menschen lebten unterhalb der Armutsgrenze.

In der Nachbarschaft des Bethanien sind nicht alle begeistert vom Zuzug der Roma. Während einige Nachbarn die Familien mit Spenden unterstützen, wächst bei Geschäftsleuten der Unmut. Ayse Torun, die mit ihrem Mann die Café-Bäckerei Eli am Mariannenplatz betreibt, beklagt sich, dass sie in und vor ihrem Café bereits mehrfach Roma beim Stehlen erwischt habe. „Diese Leute tun mir leid, aber so kann es nicht weitergehen“, sagt sie. Aschenbecher, Handys und Zuckerstreuer seien verschwunden. Elisabeth Schwarz, die die Galerie nebenan betreibt, wurden von zwei Frauen, die aus ihrer Sicht Roma gewesen sein könnten, Laptops aus dem Büro gestohlen. Jetzt verschließt sie die Tür zur Galerie. Die Polizei konnte gestern aber noch nichts zum Anzeigenvolumen in der Gegend sagen.

Problematisch ist die Situation auch weiterhin für die Gruppe ehemaliger Hausbesetzer, die die Roma beherbergt. „Unser Angebot waren zwei bis drei Tage“, sagt eine Bewohnerin. Nun befürchten sie, dass auch vor dem langen Pfingstwochenende keine Lösung gefunden wird. Wegschicken werde man die Roma aber nicht. Anna Sauerbrey/Stefanie Richter

Auf der Seite sind inzwischen mehr als 100 Kommentare abgegeben worden. Eine krude Mischung aus erschreckend viel braunem Wortdurchfall, linkem Gutmenschentum und wenig sachlichen Argumenten. Ich frage mich nun, was soll ich von der Geschichte halten? Einerseits finde ich den Wunsch, in Berlin zu wohnen durchaus verständlich, andererseits finde ich die Idee, dies staatlich organisieren zu lassen nicht sonderlich sympathisch. Wird da Hilfsbereitschaft ausgenutzt? Empfinde ich als unhöflich. Andererseits werden Roma so oft diskriminiert und teilweise verfolgt, da ist jede Hilfe angebracht. Dürfen Hilfsbedürftige Ansprüche an die Helfer stellen? Das frage ich mich auch immer, wenn ich einem Obdachlosen Geld gebe. Ich möchte nicht, dass er sich Alkohol oder Zigaretten dafür kauft, andererseits ist es seine Entscheidung, nicht meine.

Ich fürchte, einige braune Gesinnungstäter werden das Thema noch ausnutzen und für ihre Zwecke ausschlachten.

14 Gedanken zu “Gastfreundschaft

  1. Mich auch und deswegen suche ich nach Mitteln und Wegen dieses Problem, des sich gegenseitig in Wut hoch stacheln so klein wie möglich zu halten, bei solchen brenzligen Situationen.
    Andererseits sehe ich diese Entwicklung auch positiv. Da werden Otto Normalverbraucher wie Du und ich echt herausgefordert hinter die Kulissen zu gucken und festzustellen, das eben viel emotionales Theater ist mit einem ganz massiven Hintergrund von Ausbeutung und Diskriminierung, dem mit dem sogenannten Gut – Menschentum nicht bei zu kommen ist. Da bedarf es ein totales Umdenken. Um friedliche Lösungen für die Konflikte in dieser Welt zu erreichen.

  2. Hier werden von der rumänischen Mafia junge Frauen, gern noch schwanger, mit Säugling zum Betteln auf die Straße gesetzt (oder sehr alte, dann aber ohne kind und ohne Zähne). Außerdem vertreiben sie die obdachlosen Straßenzeitungsverkäufer, indem sie ihnen massiv und gewalttätig die guten Verkaufsplätze streitig machen. Dazu sind sie noch, anders als die Punks, total aggressiv, wenn jemand sich nicht von ihnen die Scheiben putzen lassen oder ihnen kein Almosen geben möchte. Dazu sind die männlichen Exemplare dieser Spezies Mafiosos
    aggressiv, gewalttätig und von Abfallentsorgung geschweige denn -trennung haben sie auch noch nie was gehört. Eigentumsrechte scheint für sie auch eher ein philosophisches Konzept zu sein.
    Das alles hilft den Sinti, die hier ein wenig Frieden und Ruhe suchen, überhaupt nicht, da sie mit den Mafialeuten in einen Topf geworfen werden. Immer dasselbe verdammte Problem: ein Teil einer Bevölkerungsgruppe benimmt sich daneben und die anderen müssen auch darunter leiden. DAS macht mich echt sauer.

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