Urlaub in Ägypten – Teil 2

Kaum waren wir wieder raus aus Ägypten, legte dort die Revolution los. Wir sind froh, dass es dabei halbwegs friedlich abgelaufen ist, denn obwohl der Verkehr in Kairo eine Zumutung ist, so habe ich doch das Land in mein Herz geschlossen. Liegt wohl daran, dass die Ägypter, die ich getroffen habe, nahezu alle nett und hilfsbereit waren und all das Chaos dort irgendwie auch Charme hat. Für die Ägypter wohl weniger, klar, die müssen ja jeden Tag damit leben, aber vielleicht wird es jetzt ja besser. Ich drücke die Daumen.

Ich schulde ja immer noch den zweiten Bericht zum Urlaub. Außer dem Verkehr hat Kairo auch noch das ein oder andere Sehenswerte zu bieten. Nicht so viel, wie man von einer Stadt mit mehr als 20 Millionen (oder auch 40, wie manche Kairoer behaupten) Einwohnern eigentlich erwarten würde, aber immerhin, ein paar Sachen sind wirklich nett. Zum Beispiel die im Reiseführer von National Geography als Museum betitetelte Sammlung der Entymologischen Gesellschaft. Das sehr nette und freundliche Personal ist schon sehenswert. Es kann sich zwar nicht daran erinnern, dass das Haus je ein Museum gewesen sei, lässt einen aber dennoch, die lustige Sammlung ausgestopfter ägyptischer Vögel und aufgespießter Insekten ansehen und man muss dabei weder eine der obligatorischen Röntgenkontrolle der Taschen über sich ergehen lassen, noch einen Metalldetektor passieren.

Sehr sehenswert ist auch das Museum für Moderne Kunst auf der Insel Gesira. Erstens hat man das Museum mehr oder weniger für sich allein, der Metalldetektor war platzsparend in einer Nische verstaut und es ist wirklich interessant, wie sehr und wie wenig sich moderne ägyptische Kunst von moderner europäischer Kunst unterscheidet.  Wenn man schon auf Gesira ist, kann man sich auch gleich noch das neue Opernhaus gegenüber ansehen (dabei auf keinen Fall den Hinweisschildern in der U-Bahnstation folgen, da landet man nämlich genau am anderen Ende…) und wer mag, kann viel Geld bezahlen und auf den Kairo-Tower hoch. Ich war zu geizig, von der Zitadelle aus hat man auch einen tollen Blick über die Stadt.

Anschauen sollte man auch das koptische Kairo, das islamische Kairo mit dem Markt (Suq), die Zitadelle, den Al-Azhar-Park (ist der einzige erkennbare Park in Kairo, daher sehenswert…). Das Ägyptische Museum birgt grandiose Schätze, man sollte sich aber vorher einen Führer kaufen und sich die dinge raussuchen, die man wirklich sehen will. Das Museum ist nämlich bis oben hin vollgestopft mit Kunstwerken, sie haben auch versucht, die Fundstücke thematisch oder zeitlich zu ordnen, sind damit aber nie richtig fertig geworden. Außerdem stehen viele besonders interessante Stücke oft versteckt hinter anderen, weil offensichtlich große Dinge dort abgestellt wurden, wo noch Platz war.

Übersichtlicher, wenn auch ähnlich informativ in der Beschilderung der Ausstellungsstücke („Glas, 8. Jhd.“; „Fenster, 7. Jhd.“…), ist das Islamische Museum. Es lohnt sich auf alle Fälle, dort mal drei Stunden zu verbringen. Ebenso im Koptischen Museum, dessen wunderschönen Holzdecken allein schon den Besuch wert sind. Gleich in der Nähe des koptischen Viertels befindet sich auch der Nilometer. Da kann man auch mal vorbeischauen, der Bau ist wirklich hübsch.

Was man auch machen sollte ist, eine Feluke zu mieten und damit auf dem Nil rumdümpeln. Besonders nachts, da wirkt Kairo plötzlich ganz friedlich.

So, wenn man Kairo durch hat, kann man sich den Pyramiden widmen. Dafür sollte man Zeit und gute Schuhe einplanen. Das Gelände ist groß, man will unbedingt ein wenig auf die Pyramiden klettern und in die Pyramiden sowieso und deswegen braucht man gute Schuhe. Und damit meine ich nicht hübsche Stilettos sondern Sneaker oder anderes trittfestes, praktisches Schuhwerk. man sollte sich auch nicht auf die selbsternannten Führer einlassen, die erzählen nämlich oft hahnebüchenden Unsinn. Zum Beispiel, dass die Pyramiden vor 500 Jahren gebaut wurden. Ich glaube, die einzige Geschichte, die ich nicht gehört habe war, dass die Chinesen sie gebaut hätten. das Museum zum Sonnenboot lohnt sich übrigens auch. Ich finde es immer noch erstaunlich, dass Boote früher in der Webtechnik zusammengebastelt wurden.

Nun noch ein Wort zu den Sicherheitskontrollen, die man ständig und überall passieren muss. Keine Ahnung, ob das immer noch so ist, aber im Januar war das Standardprogramm.

Sicherheitskontrollen – die sind einfach allgegenwärtig (gewesen?). Überall stehen Metalldetektoren und Röntgengeräte für die Taschen. Dumm nur, dass die Monitore oft nicht funktionieren oder die Geräte dauerpiepsen. Trotz Kontrollen haben wir überall Kameras eingeschmuggelt. Fotographieren ist in Ägypten ohnehin eigentlich überall verboten. Man darf keine kaputten Straßen und Häuser knipsen, Bahnhöfe und Brücken sowieso gleich gar nicht, in Museen und Tempeln ist es oft auch nicht erlaubt… Ich glaube, ich habe noch nie so viele Vorschriften missachtet, wie in Ägypten. Zur Verteidigung muss ich aber anführen, dass das Teil meines früheren Lebens war und keinen Einfluss auf meine touristischen Fähigkeiten hat! Die Kontrollen muss man übrigens passieren, wenn man in Museen, Banken und Shoppingzentren möchte. Zum Zug kommt man auch nicht ohne vorher ausgiebig kontrolliert worden zu sein. das Four Seasons hat sogar einen eigenen Bombenspürhund, der die Limousinen und Taxen durchsucht, bevor sie in die Auffahrt vor das Hotel einfahren dürfen. Am Flughafen wurden wir bei der Ausreise unzählige Male kontrolliert. Vor dem Check-in-Bereich eine Komplettkontrolle der Ausweise, Visa, Tickets und des Gepäcks sowie der Metalldetektor. Vor dem Check-in-Schalter noch einmal Pass-, Visa- sowie Ticket-Kontrolle, am Check-in-Schalter Pass-, Visa- und Ticketkontrolle sowohl vom Schalterbeamten als auch von seinem hinter ihm stehenden Vorgesetzten. Und alle Dokumente werden auswendig gelernt! Nach dem Check-in kontrolliert ein Herr ohne erkennbare Funktion die Tickets und stempelt sie mit „Airport Cairo“ ab. Dann geht es zur Zollkontrolle. Dort lernen sie man wieder die Dokumente auswendig und man selbst darf auch noch ein Dokument ausfüllen. Danach kommt die Handgepäckkontrolle und der nächste Metalldetektor und weil sonst ja Langeweile aufkommt, wird nochmal der Pass angeschaut und nach dem Ticket gefragt. Jetzt ist man drin. Denkste! jetzt darf man erst mal warten bis das Gate aufmacht. Davor ist dann wieder, man ahnt es schon: Komplettkontrolle, alle Dokumente, Handgepäck und Metalldetektor. Nun ist man im Wartebereich vor der Tür zum Bus, der einen dann endlich zum Flugzeug bringen soll. Noch mal zur Erinnerung, wir wollten ausreisen, nicht einreisen! bevor man raus zum Bus darf, muss man noch einmal an einem Zollbeamten vorbei, der wieder Pass und Visa auswendig lernt. Danach kontrollieren die Fluglinienmitarbeiter Pass und Ausweis und am Bus schaut noch mal einer aufs Ticket. Und am Flugzeug: Ticketkontrolle. Geschafft. In Prag mussten wir übrigens nur durch zwei Kontrollen, um nach Berlin weiterfliegen zu können und in Berlin interessierte sich klein Mensch mehr für uns…

Teil III soll bald folgen und von unseren Kurztrips nach Luxor und Alexandria berichten.

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