Schluss mit dem Selbstbetrug

Liebe Frauen, habt Ihr Euch auch schon ab und an gewundert, warum Ihr immer die langweiligen Orgajobs bekommt, während Eure männlichen Kollegen die tollen, öffentlichkeitswirksamen, karrierefördernden Artikel schreiben?Wie kommt es, dass Frauen trotz gleicher oder sogar höherer Position weniger Gehalt bekommen? Wieso werden mehr Männer als Frauen in Spitzenpositionen befördert? Ist es wirklich noch die reine Diskriminierung die da im alltäglichen Arbeitsleben herrscht? Oder sind es nicht schlicht und einfach alltägliche Fallen, in die wir Frauen immer wieder tappen?

Natürlich hat jede von uns das schon einmal beobachtet: In einer Besprechung, eine Frau, der Rest Männer, der Kaffee ist alle. Wer wird gebeten, noch mehr Kaffee zu besorgen? Klar. Zu gefühlt 95 Prozent ist es die Frau. Und da sie es so gewohnt ist oder nicht als Zicke dastehen möchte, tut sie es auch. Interessanterweise sind es auch meist die Frauen, die bei einer Frage in die Runde solöche Aufgaben freiwillig übernehmen.

Oder das: Frau ist neu im Job und wird gebeten, eine Veranstaltung zu organisieren, weil gerade niemand sonst dazu Zeit hat. Frau ist neu, Frau will zeigen, dass sie etwas kann, also tut sie es, und natürlich auch sehr gut. Klar wird Frau gelobt und schwupps hat Frau die zweite Veranstaltung am Hals, während der andere neue Kollege bereits an einem kniffligen und interessanten Projekt arbeitet. Und beim nächsten interessanten Projekt hat Frau keine Zeit, weil die Veranstaltung ansteht. Und der Kollege kann die Veranstaltung nicht übernehmen, da er ja das Projekt betreuen muss. Aber Frau wird gelobt, die Gefahr, zu scheitern ist gering, die Arbeit fällt leicht, warum also dieses dumme gefühl, dass da irgendwas schief und so ganz anders, als Frau sich das vorgestellt hat, läuft?

Machen sich Männer ebenso viel Gedanken darüber, ob sie das Gehalt, das sie sich vorstellen und selbstverständlich auch verlangen, auch wirlich verdienen? Konzentrieren sich Männer auf einfache, langweilige Aufgaben ebenso sehr wie Frauen und verlieren darüber das eigentliche Ziel aus den Augen? Nein. Zumindest ist mir das noch nicht aufgefallen. Woran liegt es, dass wir Frauen uns so viel Gedanken darüber machen, ob wir das Gehalt, das wir verlangen auch verdienen? Und warum hindern uns diese Zweifgel daran, Gehaltsverhandlungen voller Überzeugung zu führen? Warum geben wir uns bescheidener, als wir sind? Warum wollen wir beliebt sein, selbst wenn wir dadurch keine interessanten Projekte bekommen? Warum sagen wir nicht „Nein“ zu langweiligen Orgajobs? Ist uns das kleine Lob dafür so viel wichtiger, als bei schwierigen, dafür aber interessanten und karrierefördernden Projekten zu lernen? Haben wir Angst, zu scheitern? Sind wir abhängig vom Lob? Haben wir Angst vor Konflikten? Es muss doch einen Grund dafür geben, dass mir so viele Frauen erzählen, es wäre ein guter Zeitpunkt, jetzt ein Kind zu bekommen, da es im Job ohnehin etwas stressig sei. Warum nehmen wir immer Rücksicht auf die Kollegen, den Partner, die Kinder, während Männer sich darüber viel weniger Gedanken machen? Warum erzählen mir meine männlichen Bekannten, sie würden gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, sie tun es aber nicht, weil sie Karriere machen wollen, während meine weiblichen Bekannten alle lange aussetzen und anschließend nur noch Teilzeit arbeiten, obwohl auch sie Karriere machen wollten? Richtig zufrieden mit der jeweiligen Situation sind beide nicht; aber so richtig frustriert sind nur die Frauen. Was dagegen hilft? Schönreden, dass sie auf die Karriere verzichten, für die sie lange geschuftet haben: „Für das Kind ist es das beste, wenn die mutter erst mal zuhause bleibt.“, „Also das hatte rein finanzielle Gründe, mein Mann verdient doch mehr.“ „Mein Partner ist gerade in einer wichtigen/entscheidenden Phase im Job.“, „Beruflich war es gerade ohnehin etwas doof, mein Chef war so anstrengend, das Projekt lief nicht so gut.“

Also mal ehrlich! Für wen tun wir Frauen das wirklich? Für die Kinder, die bald aus dem Haus sind und auch ohne eine 24/7-Betreuung durch die Mutter wunderbare Menschen werden können? Für den Partner, der sich in ein paar Jahren eine jüngere, nicht frustrierte Partnerin sucht? Für die Gesellschaft, weil Kinder doch so wichtig sind? Oder weil wir einfach faul sind? Vielleicht übertriebt und überspitzt Bascha Mika in ihrem Buch dieses Bild der Latte-Macchiato-Mütter, aber ich sehe es an meinem Bekanntenkreis: Sie hat so recht. Es ist so einfach für uns Frauen, bei Konflikten im Beruf in die Mutterrolle zu wechseln. Die Mutter, die so viel einfacher, besser, edelmütiger als die Businesslady erscheint. Eine Mutter opfert sich für ihre Kinder. Müssen wir dafür nicht bewundert werden? Verdienen wir dafür nicht Anerkennung? Anerkennung und Bewunderung, die Frau sich im Berufsleben hart erarbeiten, manchmal auch erstreiten muss. das nervt! Als Mutter fliegt einem das einfach zu. Allein schon weil man es, Mutter, ist. Dumm nur, dass Muttersein wahrscheinlich viel viel anstrengender, konfliktreicher und oft auch langweiliger ist, als es die allermeisten Berufe sind. Und meist auch noch viel schlechter bezahlt. Und wenn wir Frauen das merken, dann sind wir frustriert. Und frustrierte Mütter, die wieder ins Berufsleben einsteigen wollen sind bei Bewerbungsgesrpächen sicher wahnsinnig überzeugend… Und dann geht das ja auch nur halbtags, weil: siehe oben…  Mit Karriere wird es also nichts mehr. Wir bleiben abhängig vom Partner, der das Geld nach hause bringt. Den wir immer weniger sehen, weil er so toll Karriere macht. Dafür bekommen wir das hübsche Haus/Auto/Kleid/… Vielleicht dürfen wir es auch selbst aussuchen?

Alternativ könnten wir auf Kinder verzichten. Das ist aber wohl nicht für alle Frauen eine akzeptable Lösung. Zumal der gesellschaftliche Druck auch nicht sonderlich toll ist… Emanze, Lesbe, karrieregeil, Egoistin …

Bleibt noch Karrierefrau mit Kind. Geht, ist hart, anstrengend. Ohne Partner noch viel mehr.  Und auch da wieder: Emanze, karrieregeil, Egoistion, … und dazu: Rabenmutter.

Klar, das System ist schuld. Und die Männer. Aber: Auch wir Frauen konterkarieren die Emanzipation. Das I-Tüpfelchen ist jetzt noch diese freiwillige Frauenquote. Besser konnte es uns doch nicht gezeigt werden, dass Gleichberechtigung noch weit weg ist von der Realität. Und dass das nicht allein die Schuld der Männer ist. Würden wir es nicht auch ausnutzen, wenn uns das in den Schoß gelegt werden würde? Warum sollten Männer sich wehren, wenn wir freiwillig Kaffee kochen, die Orgajobs übernehmen und die Kinder versorgen, damit sie Karriere machen können? Sie sind doch nicht blöd.

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