Über den Kampf zwischen Autofahrern und Radlern

Als ebenfalls gelegentlich Autofahren müssende Verkehrsteilnehmerin wundere ich mich schon, warum sich so viele Autofahrer (übrigens nie Autofahrerinnen) über Fahrradfahrer auf der Straße aufregen. Also klar, über die Radler, die bei Rot noch unbedingt über die Ampel müssen oder die Fußgänger vom Bürgersteig klingeln – über die rege ich mich auch still und leise bis lautstark (wenn ich weggeklingelt werde) auf. Und die dummen Heinis, die verkehrt herum auf dem Radweg fahren (so ein Trottel hat mich mal ins Krankenhaus befördert…), die mag ich auch nicht. Aber wenn ein Radfahrer ganz normal auf der Straße fährt, weil eben kein sicherer Radweg da ist, den er/sie nutzen könnte? Warum regt Mann sich da so auf? Ist es wirklich nötig, sich schräg vor das radelnde Wesen zu setzen, abzubremsen, das Fenster runter zu kurbeln und „Hey Du blöde Schlampe (gern auch mal mit dem F.-Wort ersetzt), fahr gefälligst auf dem Radweg!“ zu brüllen? Und warum brüllt Mann immer nur die radelnde Frau an, aber nie den 1,90 Meter-Sportradler davor?

Also ich hab da so Theorien:

  1. schlechte Erziehung und soziale Inkompetenz (jemanden, den man nicht kennt duzt man nicht, von den Schimpfworten ganz zu schweigen)
  2. ausgeprägtes Moralapostelsyndrom (andere auf vermeintliche Fehler hinzuweisen hat einfach keinen Stil)
  3. kognitive Minderbegabung (offensichtlich sind die armen Kerle nicht in der Lage, die Straßenverkehrsordnung zu lesen und zu verstehen – § 2 (4) und § 5 (4))
  4. mangelndes Selbstbewußtsein (warum sonst sollte Mann mit 1,5 Tonnen Stahl unterm verlängerten Rücken sich von einer einzigen Radfahrerin bedroht fühlen?)
  5. fehlendes Unrechtsbewußtsein (jemanden in voller Fahrt von der Straße zu drängen ist nicht nur Nötigung, sondern auch hochgefährlich und strafbar)

Kann diesen armen Menschen nicht geholfen werden? Und wenn man ihnen schon nicht helfen kann, kann man sie nicht wenigstens von der Straße holen, bevor sie jemanden verletzen?

2 Gedanken zu “Über den Kampf zwischen Autofahrern und Radlern

  1. Da gebe ich Ronald unumwunden Recht. Ein Rüpel der sich mit Beschimpfungen vor allen Dingen weiblicher Personen durch die Welt bewegt ist erst einmal ein Rüpel.
    Ihn als arm zu bezeichnen, bedeutet mich selbst in meiner Handlungsweise und in meinem Denken schwer zu behindern. Denn einem Armen sollte geholfen werden.
    Dabei findet der Spruch von Vincent van Paul „Der Arme wird Dir nie verzeihen, dass Du ihm geholfen hast!“ bei mir immer mehr Berechtigung

  2. Sowohl als Fußgänger als auch als Radfahrer habe ich schon lange keine üblen Erlebnisse mehr mit Autofahrern gehabt, und auch nur gelegentlicher Autofahrer bin ich selbst nicht. Szenen, wie du sie schilderst, sind mir also hier in Frankfurt gänzlich unbekannt. Dafür werden die mit Radfahrern fast täglich immer schlimmer: siehe bei mir den immer noch gültigen und zu ergänzenden Eintrag Arme Radfahrer, den du vor langer Zeit auch kommentiert hast.

    Mangelndes Selbstbewusstsein, wie du in Punkt 4 aufzählst, scheint mir als Motiv für das von dir geschilderte Verhalten auch nicht so treffend zu sein, sondern eher das Gegenteil.

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