Offener Brief

Sehr geehrter Lieber  Hallo Herr Terrorist,

wie Sie sehen fällt mir schon die Anrede nicht sonderlich leicht und ja, ausnahmsweise habe ich mal nicht gegendert, obwohl ich darauf eigentlich immer viel Wert lege. Und in der Regel sind Sie ja auch männlich. Aber ich will hier nicht in eine Gleichstellungsdebatte abschweifen. Da wir uns nicht persönlich kennen und vermutlich auch nie kennenlernen werden, möchte ich Ihnen gern auf diesem Weg mitteilen, dass ich Ihr Anliegen, Angst und Schrecken zu verbreiten, gegen was auch immer zu protestieren, der Gesellschaft eine menschenverachtende Religion bzw. die missbrauchte Form davon, aufzudrängen und Ihr Missfallen gegenüber meiner und unserer Gesellschaft zu äußern, leider nicht unterstützen kann. Und zwar aus folgenden Gründen:

Ich verstehe leider viel zu wenig von den Hintergründen, die Sie zu diesen Taten treibt, aber ich gehe davon aus, dass Ihr Hauptmotivator die Angst ist. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit, die Angst vor was auch immer. Da mir Angst wirklich fremd ist, und ich rede hier nicht von der Angst, die sich natürlicherweise einstellen sollte, wenn man einem zähnefletschenden Tiger gegenübersteht, ist mir auch Ihr Anliegen fremd. Generell habe ich nichts dagegen, Neues kennenzulernen, aber mein Gefühl sagt mir, dass Angst ein schlechter Freund ist. Daher verzeihen Sie mir, aber ich werde den Kontakt zu ihr auch weiterhin meiden.

Mir missfällt zudem die Art, wie Sie Ihr Missfallen äußern. Ihr Handeln ist völlig losgelöst davon welches Problem auch immer Sie zu lösen versuchen. Der kausale Zusammenhang zwischen Ihrer Handlung und Ihrem Anliegen erschließt sich mir leider überhaupt nicht. Oder kennen Sie einen Fall, in dem Gewalt tatsächlich dazu geführt hat, dass es den Armen und weniger begünstigten anschließend besser geht? Meine Geschichtskenntnisse (gut, diese sind begrenzt, das gebe ich zu) lassen mich darauf schließen, dass immer nur eine Elite davon profitiert hat. Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, Sie wären die Elite! Da säßen Sie aber einem gewaltigen Trugschluss auf. Die Elite sitzt bildlich gesprochen faul herum, genießt das Leben und lässt andere – zum Beispiel Sie – die Drecksarbeit machen. Aber wir waren bei der Art, wie Sie Ihr Missfallen äußern und meiner Schwierigkeit damit. Aus Ihrem Handeln wird schlicht und einfach nicht klar, was genau Sie denn nun wollen.

Ihr Handeln erlaubt so gar keine Kommunikation. Es ist einfach menschlich, dass Menschen einen Angriff auf ihr Leben selten mit einem verständnisvollem „Lass uns reden und herausfinden, wie wir Dein Problem gemeinsam lösen können.“ begegnen. Ein verbal geäußertes „Das finde ich aber alles doof!“ hingegen wäre zwar auch unschön, ließe aber immerhin Raum für eine sinnvolle und möglicherweise hilfreiche Erwiderung. Aber was sollen wir Ihrer Meinung nach nach einem terroristischen Angriff tun? Zurückbomben? Das ist einfach nicht unser Stil. Ihnen Hilfskonvois und Geld schicken? Das würden wir wahrscheinlich tun, hätten Sie uns Ihr Problem verständlich geschildert. Aber wir wissen ja nicht einmal wohin und was Sie denn eigentlich brauchen.

Sie sehen, ich tue mich sehr schwer mit Ihrer Kommunikationsform und sicher gäbe es noch viel mehr, was ich nciht verstehe. Aber eigentlich wollte ich Ihnen nur sagen: Ich habe keine Angst. Nicht vor Ihnen, nicht vor Ihren Taten. Und ich werde keine Angst haben. Egal was Sie tun. Denn ich bin frei.

Beste Grüße

Dontblog

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