Das Glückprojekt – Monat 11

Mal ehrlich: Ich bin ziemlich faul. Nein, nicht nur ziemlich. Sehr faul sogar. Alle anderen Gründe, warum ich meine Ziele des Glücksprojektes nicht umgesetzt habe, sind eigentlich nur vorgeschoben und rethorisch nett formuliert. Ausreden nennt man das wohl.

Ich habe genug Zeit. Auch an stressigen Tagen arbeite ich kaum mehr als zehn Stunden. Plus die 45 Minuten Pause sind das nicht mal elf Stunden. Eine Stunde brauche ich für den Weg zur Arbeit und zurück. Macht knapp zwölf. Da sind noch zwölf Stunden vom Tag übrig. Meist schlafe ich sechs Stunden. Bleiben also noch sechs Stunden für Essen und Körperpflege (sagen wir mal eine Stunde insgesamt dafür) sowie Sport, Kochen, Sachen selber machen, Sprachen lernen, Kultur, Lesen und Freunde treffen oder jemanden anrufen. Ich habe also jeden Tag fünf Stunden, die ich produktiv nutzen kann. An weniger stressigen Tagen sind es sogar sieben Stunden! Da geht doch was!

Etwas, was ich inzwischen versuche zu tun, ist unterwegs zu telefonieren. Ich laufe nämlich gern nach Hause. Das dauert dann zwar eine Stunde, aber unterwegs kann ich noch telefonieren und beim Sport und beim Supermarkt vorbei. Sind dann ungefähr drei Stunden. Also selbst an meinen (zu wenigen) Sporttagen wären noch zwei Stunden Zeit zum Lesen.

Aber statt mir ein gutes Buch vorzunehmen, packe ich mich auf die Couch, esse was Ungesundes und schaue mir irgendwelche Serien an. Wenn ich dabe wenigstens bügeln würde. Aber dazu bin ich zu faul.

Und jetzt mal zu den Wochenenden. Da habe ich, selbst wenn ich länger schlafe noch immer 16 Stunden die ich sinnvoll gestalten könnte. Aber nein, die verdaddel ich im Bett oder auf der Couch. Echt jetzt? So kann das nicht weiter gehen. Wie bekomme ich also den Hintern von der Couch? Any idea? Der Hintern wird vom vielen Sitzen übrigens nicht ansehnlicher. Und die Laune bessert sich auch nicht. Im Gegensatz zu dem Gefühl, das sich einstellt, wenn ich was geschafft habe. Warum macht das nicht süchtig, aber Chips, Schokolade und doofe Serien schon? Das ist doch frustrierend. 

Selbst wenn ich mir mal was vornehme und das ein paar Tage durchziehe, dann kommt irgendwas dazwischen, Dienstreise oder Verabredung, schlechtes Wetter oder (hier andere Ausrede einsetzen), und schon ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Monatelang habe ich keinen Zucker gegessen und auch überhaupt nicht vermisst. Dann eine Ausnahme gemacht (hallo Weihnachten!?), und schon bin ich wieder drauf. Nicht so furchtbar wie vor dem Zuckerstop, aber regelmäßig und manchmal mit richtig Heißhunger. 

Wochenlang den Fernseher nicht angemacht, dann neugierig auf Staffel irgendwas von irgendwas und schön finde ich mich am Wochenende bingewatchend vor dem Fernseher wieder. Mit Eiscreme natürlich. Wenn, dann richtig. Wenn man meinem Schweinehund den kleinen Finger reicht, macht der happs und kaut schon an der Schulter bevor man auch nur blinzeln kann.

Monatelang habe ich keine neuen Klamotten gekauft. Dann brauchte ich einen Anzug und schon musste noch ein passendes Kleid und ein paar Oberteile dazu her. Da nützt auch all die Ausmisterei nichts, wenn man die Klamotten gleich nachkauft.

Apropos Ausmisten. Das hat ja gut angefangen, aber zu Ende gebracht habe ich das natürlich: Klar, auch nicht! Ich drücke mich hartnäckig und erfolgreich vor Küche, Kammer und vor allem Keller. K-Phobie? Wäre mal eine neue Ausrede.

Und dann der Finanzscheiß. Die Steuererklärung dauert maximal zwei Stunden und es gibt Geld zurück. Kein Bock. Kontowechsel hin zur ökologisch, ethisch korrekten Bank, zudem noch günstiger als die Sparkasse: zu anstrengend. Patientenverfügung? Dauert sicher maximal zwei Stunden. Nee. Nicht heute. Rentenfonds anlegen? Uff, das ganze Kleingedruckte. 

Termin beim Augenarzt und all den anderen, die man so regelmäßig besuchen sollte? Ist doch alles in Ordnung, kann ich nächste Woche vereinbaren.

Laufen? Morgen früh hab ich sicher mehr Lust.

Da sind sicher noch Dutzende weitere Beispiele, aber das Muster ist klar, oder? Mein Heute-Ich traut meinem Morgen-Ich viel mehr zu als sich selbst. Und leider ist das Heute-Ich, wie es scheint, nicht besonders lernfähig.

Also, was tun? Keine guten Vorsätze mehr? Immerhin einige habe ich ja erfolgreich umgesetzt. Also doch wieder gute Vorsätze? Ich bin noch hin- und hergerissen. Ich mag Pläne, bin aber frustriert, wenn ich sie nicht umsetze. Schwere Entscheidung.

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